Fieberanfälle
Die Aufführung von Giuseppe Verdis «La traviata» bei den Salzburger Festspielen wirft nicht ganz unwichtige Fragen zum Thema Kulturbetrieb auf.
Eine Frage könnte beispielsweise lauten: Kann eine Opernproduktion, die ein fast schon absurder medialer Vorabrummel begleitet, überhaupt irgendwie kritisierbar oder gar schlecht sein? Wenn Zeitungen, Illustrierte, Fernsehen die Stars schon im Voraus in den Himmel heben, verbietet sich dann nicht jede Kritik an ihnen von allein? Und wenn am Ende der Salzburger Premiere in den ersten Reihen die Leute spontan zu einer Standing Ovation aufspringen und die hinter ihnen Sitzenden zwingen, Gleiches zu tun, darf bei so viel echtem oder auch nur eingebildetem Enthusiasmus ein Misanthrop, der das alles nicht so gewaltig findet, einfach rausgehen, ohne angemurrt zu werden? Das Umfeld der Salzburger «La traviata»-Premiere trug jedenfalls alle Züge des Hysterischen, und die Ursache der Hysterie lässt sich mit zwei Namen benennen: Anna Netrebko und Rolando Villazón.
Nun gehört es ja zur Geschichte der Oper insgesamt, dass begeisterte, heute würde man sagen: Fans der Primadonna die Pferde ausspannen. Man sollte also den Salzburger Festspielfieberanfall, ...
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Inwieweit Carl Eberts Mozart-Inszenierungen, mit denen die Festspiele in Glyndebourne in den dreißiger Jahren eingeleitet und schlagartig berühmt wurden, einem kritischen Blick von heute standhalten würden, lässt sich aus Mangel an Filmdokumenten nicht sagen. Doch dass die musikalischen Interpretationen Fritz Buschs über Jahrzehnte ihren maßstäblichen Charakter...
Öfter schon kam es vor, dass ein musikalisches Bühnenwerk ohne Bühne aufgeführt wurde. Der umgekehrte Fall ist möglicherweise erstmals beim Opernfestival im toskanischen Städtchen Barga eingetreten. Da fand, verhindert durch einen Gerichtsbeschluss im fernen Düsseldorf, die Aufführung der Musik zu einer mit ihr erarbeiteten und geprobten Inszenierung nicht statt:...
Eine Mikrofonstimme hatte James King, der in diesem Jahr achtzig Jahre alt wurde, nie. Wer live erlebt hat, wie er etwa die große Szene des Kaisers in Strauss‘ «Frau ohne Schatten» aufbaute und steigern konnte – und zwar steigern im Sinne einer immer intersiver sich im Raum ausbreitenden, unforcierten Klangfülle –, der weiß, dass ein Mikrofon dergleichen nie...
