Das lange Sterben

Opernwelt - Logo

Peter Mussbach macht es uns mit seiner «Traviata»-Sicht nicht leicht, schlimmer: Er langweilt uns. «Diese Straße muss ich gehen» – winterreisenhaft erleben wir eine metaphorische Reise in den Tod, hier als ­Autofahrt, klischeehaft banalisiert, unter ­anderem durch eine Titelfigur im Monroe-Look. Gewiss, auch die Monroe war am Ende ihres Lebens eine Art Todesengel, und vielleicht hat für Mussbach gar die Todesfahrt der Lady Di als Ideen­impuls hergehalten.

Wer weiß? Fragen wir lieber: Was macht er aus den kleinen Psychologisierungen, die das Stück prägen? Dazu fällt dem Ex-Psychiater Mussbach nicht viel ein. Mag diese Inszenierung, die im Sommer 2003 beim Fes­tival von Aix-en-Provence mitgeschnitten wurde, aber bereits an der Berliner Staats­oper (mit völlig anderer Besetzung) Premiere hatte, zwar einige kluge Gedanken zum Thema Sterben bieten, und mögen auch einzelne Bilder hohe Eindringlichkeit besitzen, überzeugen kann dieses Konzept nicht.
Musikalisch hat die Aufführung klarere Argumente parat, vor allem Matthew Polen­zani, der einen flexiblen, weichen, fast da­hin­schmelzenden Alfredo singt; warum Zeljko Lucic besonders im italienischen Repertoire geschätzt wird, zeigt er als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Pastloser Strich, pauschaler Schmiss

Vor gut drei Jahren machte Daniel Barenboim dem liquiden Teil seiner globalen Fan-Gemeinde eine kühne Offerte: Binnen vier Wochen dirigierte er an der Berliner Staatsoper zweimal alle zehn autorisierten Wagner-Opern. Vom «Holländer» zu «Parsifal» in Marathonmanier. Der sportive Ehrgeiz des Maestros erwies sich damals als Marketing-Coup: Um die immense Nachfrage...

In Schönheit sterben

Schon Monate vor ihrem Erscheinen hat diese Aufnahme die Klassikwelt zum Erzittern gebracht: Zur letzten Opern­produktion alten Stils, die sich seine Firma noch leisten könne, rief der inzwischen verabschiedete Artist & Repertoire-Direktor der EMI, Peter Alward, den neuen «Tristan» seines Hauses aus. Mit der über zehn Jahre geplanten und 750 000 Euro teuren...

Der Tod und die Sonnenblumen

Viel Euphorie beim Mittagessen. Zürichs Opernintendant Alexander Pereira sprach voller Freude und fast schon bewegt von der Übereinkunft, die er mit Franz Welser-Möst erzielt hat. Zunächst Chefdirigent, dann, als er zum Music Director des Cleveland Orchestra avancierte, nur noch «Principal Conductor», will der unterdessen Fünfundvierzigjährige österreichische...