Zu laut war ich nie

Der hochmögende Liedbegleiter Helmut Deutsch hat seine Lebenserinnerungen verfasst

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Lebenserinnerungen bergen stets eine gewisse Tücke: Will deren Verfasser die ganze Wahrheit sagen, muss er nolens volens auch die unerfreulichen, zum Teil sogar schmerzlichen Erfahrungen protokollieren, riskiert also unter Umständen heftige Reaktionen derjenigen, mit denen er in seiner Autobiografie «abrechnet». Wählt er hingegen den Weg des geringen Widerstands und blendet alles Negative aus, rutscht das Buch mit einiger Sicherheit in die hagiografische Ecke. Was auch nicht besonders erklecklich ist.

Helmut Deutsch wählt den (nicht immer) goldenen Mittelweg.

Zunächst verzichtet er auf das große Wort «Autobiografie». Verwundern darf dies nicht: Wer den österreichischen Pianisten einmal kennengelernt hat, weiß um seine Bescheidenheit. «Gesang auf Händen tragen» heißt also sanft-poetisch das Opus und im Untertitel «Mein Leben als Liedbegleiter». Eben als solchen begreift sich Deutsch erklärtermaßen, im Gegensatz zu einigen Kollegen, die sich «Liedpianisten» nennen, um bloß nicht in den Ruf zu geraten, allein Diener der «großen» Sänger zu sein. Diesen «höheren» Anspruch hat Helmut Deutsch nie formuliert. Er sieht sich als genuinen Begleiter, der nie zu laut war; als eine Art ...

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Opernwelt August 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Jürgen Otten

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