Zu laut war ich nie
Lebenserinnerungen bergen stets eine gewisse Tücke: Will deren Verfasser die ganze Wahrheit sagen, muss er nolens volens auch die unerfreulichen, zum Teil sogar schmerzlichen Erfahrungen protokollieren, riskiert also unter Umständen heftige Reaktionen derjenigen, mit denen er in seiner Autobiografie «abrechnet». Wählt er hingegen den Weg des geringen Widerstands und blendet alles Negative aus, rutscht das Buch mit einiger Sicherheit in die hagiografische Ecke. Was auch nicht besonders erklecklich ist.
Helmut Deutsch wählt den (nicht immer) goldenen Mittelweg.
Zunächst verzichtet er auf das große Wort «Autobiografie». Verwundern darf dies nicht: Wer den österreichischen Pianisten einmal kennengelernt hat, weiß um seine Bescheidenheit. «Gesang auf Händen tragen» heißt also sanft-poetisch das Opus und im Untertitel «Mein Leben als Liedbegleiter». Eben als solchen begreift sich Deutsch erklärtermaßen, im Gegensatz zu einigen Kollegen, die sich «Liedpianisten» nennen, um bloß nicht in den Ruf zu geraten, allein Diener der «großen» Sänger zu sein. Diesen «höheren» Anspruch hat Helmut Deutsch nie formuliert. Er sieht sich als genuinen Begleiter, der nie zu laut war; als eine Art ...
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Opernwelt August 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Jürgen Otten
Als Teenager wollte sie Harfenistin werden. Die Farbenvielfalt der französischen sinfonischen Musik des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts hatte es Sandrine Piau angetan – und sie träumte davon, als Instrumentalistin Teil dieses Klangrausches zu sein. Dann aber entschied sie sich doch für ein Gesangsstudium, wurde als Barock-Interpretin bekannt. Nun aber kommt...
Wie Frauen sind? Wankelmütig sind sie. Und gerade dafür muss man sie lieben, immer und überall. Das weiß auch der Herzog von Mantua, der, ausgestattet mit einer zweiten (studentischen) Identität, um die schöne Gilda scharwenzelt, wissend, dass sie ihm im Grunde längst verfallen ist. Dieses Sieges gewiss, stimmt er jene berühmte Kanzone an, die bis heute Kultstatus...
Als Violetta sich am Ende ihrer Vergangenheit erinnert, zieht im hörbaren Hintergrund ein Karnevalszug vorbei: «Addio del passato». Es ist eine treffliche Pointe, dass uns Katharina Gault die im Schlussbild von «La traviata» unsichtbare Spaßgesellschaft vorab in den beiden großen Massenszenen der Oper in farbenprächtiger Deutlichkeit vor Augen führt – als...
