Der Unaufgeregte

Christophe Slagmuylders erste Saison als Intendant der Wiener Festwochen – mit Arbeiten von David Marton, Romeo Castellucci und Robert Wilson

Opernwelt - Logo

Christophe Slagmuylder ist kein Vertreter der Firma «Schall & Rauch». Der Intendant der Wiener Festwochen (bis 2025) gibt sich eher leise und unaufgeregt, übertreibt’s nicht mit Floskeltrompete und trendigem Kulturmanagersprech. Wobei der Belgier, der den vor einem Jahr vorzeitig zurückgetretenen Tomas Zierhofer-Kin quasi aus dem Stand ersetzen musste, die in den letzten Jahren vorgegebene Linie mit einigen Korrekturen weiterführt. Auch diesmal begriffen sich die Festwochen eher als Alternative zum sogenannten Hochkulturbetrieb.

Wenngleich ein Star wie die Filmschauspielerin Isabelle Huppert in dem von Darryl Pinckney verfassten und von Robert Wilson inszenierten (allerdings noch von Zierhofer-Kin initiierten) Monolog der Maria Stuart, «Mary Said What She Said», für eine Klimax hochästhetischen Theaterformalismus’ sorgte. Auch Romeo Castellucci war wieder da – mit zwei bildintensiven Performances: «La vita nuova», einer Andacht mit Priestergestalten und Schrottautos, und «Le Metope del Partenone», wo Unfallopfer zu Skulpturen versteinern.

Insgesamt gab es 46 Produktionen (darunter elf Uraufführungen) mit 450 Künstlern aus 19 Ländern in 281 Vorstellungen an 27 Spielorten. Für 41 ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2019
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Großmeister der Kulisse

Für viele war er der Größte, für nicht wenige eine Zumutung. Wer sich die Oper als Museum wünscht, als Schaukasten einer zum Hort des maßlos Schönen verklärten Vergangenheit, findet in der verschwenderischen Opulenz, die Franco Zeffirelli auf der Bühne wie auf der Leinwand kultivierte, genau jenen vermeintlich historisch korrekten Glanz der Oberfläche, der die...

Schwerter und Blüten

Ist Kunst an einen Ort gebunden, oder bemisst sich ihre Qualität gerade daran, ob sie losgelöst von den Bedingungen wirkt, unter denen sie entstand? Auf Bedřich Smetanas dritte Oper «Dalibor» trifft wohl eher Ersteres zu. Anlässlich der Grundsteinlegung des Prager Nationaltheaters 1868 komponiert und uraufgeführt (das dann 15 Jahre später mit einer weiteren Oper...

Mit Schleife

Den Deutschen sind zwei große Komponisten abhandengekommen. Georg Friedrich Händel annektierten die Engländer, nannten ihn George Frideric Handel. Und Jacob wurde in Paris zu Jacques Offenbach. Die Rückkehr beider ins Vaterland erfolgte nach ihrem Tod und über Umwege. Wobei Händel in der alten Heimat heute mehr gelitten ist als der Urvater der Operette. Ein Indiz:...