Kontrollierte Leidenschaft

Vom späten Belcanto in Richtung Verismo: Michael Fabiano betont die Nähe von Giuseppe Verdi und Gaetano Donizetti

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Wie Frauen sind? Wankelmütig sind sie. Und gerade dafür muss man sie lieben, immer und überall. Das weiß auch der Herzog von Mantua, der, ausgestattet mit einer zweiten (studentischen) Identität, um die schöne Gilda scharwenzelt, wissend, dass sie ihm im Grunde längst verfallen ist. Dieses Sieges gewiss, stimmt er jene berühmte Kanzone an, die bis heute Kultstatus unter Tenören besitzt, weil sie so günstig liegt und weil sich das (romantische) Sängerherz nach Belieben darin austoben kann.


Auch Michael Fabiano hat diese funkelnde H-Dur-Perle, die sich, kaum zufällig, stark an der dominierenden Macht-des-Schicksals-Tonart im «Rigoletto» reibt, in sein Album mit Arien von Giuseppe Verdi und Gaetano Donizetti aufgenommen. Und er gestaltet das Stück so, wie man es sich wünscht: mit Brio, einem Schuss Übermut, durchaus leidenschaftlich und fantastisch, leicht kapriziös, dynamisch nuanciert. Für den Schluss hat sich der amerikanische Tenor eine kleine Finesse aufgehoben: Wenn er das Wort «pensier» zum dritten und letzten Mal anstimmt, flicht er, äußerst wirkungsvoll, eine schmucke Verzierung ein und beendet die Arie eine Oktave höher, als der Komponist es notiert hat: auf dem ...

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Opernwelt August 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Jürgen Otten

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