Kontrollierte Leidenschaft

Vom späten Belcanto in Richtung Verismo: Michael Fabiano betont die Nähe von Giuseppe Verdi und Gaetano Donizetti

Opernwelt - Logo

Wie Frauen sind? Wankelmütig sind sie. Und gerade dafür muss man sie lieben, immer und überall. Das weiß auch der Herzog von Mantua, der, ausgestattet mit einer zweiten (studentischen) Identität, um die schöne Gilda scharwenzelt, wissend, dass sie ihm im Grunde längst verfallen ist. Dieses Sieges gewiss, stimmt er jene berühmte Kanzone an, die bis heute Kultstatus unter Tenören besitzt, weil sie so günstig liegt und weil sich das (romantische) Sängerherz nach Belieben darin austoben kann.


Auch Michael Fabiano hat diese funkelnde H-Dur-Perle, die sich, kaum zufällig, stark an der dominierenden Macht-des-Schicksals-Tonart im «Rigoletto» reibt, in sein Album mit Arien von Giuseppe Verdi und Gaetano Donizetti aufgenommen. Und er gestaltet das Stück so, wie man es sich wünscht: mit Brio, einem Schuss Übermut, durchaus leidenschaftlich und fantastisch, leicht kapriziös, dynamisch nuanciert. Für den Schluss hat sich der amerikanische Tenor eine kleine Finesse aufgehoben: Wenn er das Wort «pensier» zum dritten und letzten Mal anstimmt, flicht er, äußerst wirkungsvoll, eine schmucke Verzierung ein und beendet die Arie eine Oktave höher, als der Komponist es notiert hat: auf dem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
In neuem Licht

Das Theater Basel war nicht wiederzuerkennen. Der Zuschauerraum fand auf der weit geöffneten Bühne eine spiegelsymmetrische Fortsetzung, längs durch den ganzen Raum zog sich ein schwarzer Laufsteg, der, absinkend und wieder aufsteigend, von der einen Seite zur anderen führte. Er war beidseits gesäumt von Publikum – außer dort, wo zwei Flächen frei blieben für die...

Borderline-Passion

Ausgerechnet der als Regietheaterschreck in Verruf geratene Tilman Knabe hat mit seiner gesellschaftskritischen Sicht auf Wolfgang Rihms Kammeroper «Jakob Lenz» für den späten Saisonhöhepunkt am Nürnberger Staatstheater gesorgt. Dass das begeisterte Publikum nach der Premiere gar nicht aufhören wollte mit dem Applaudieren, hat gute Gründe. Die Musik der 1979...

Grandios gescheitert

Zuletzt sorgte die Oper Halle vor allem wegen der erbitterten, öffentlich ausgetragenen Kontroverse um die künstlerische Leitung für Furore. Aber auch mit dem Theaterpreis des Bundes, der ausdrücklich die innovative Ausrichtung des Hauses nennt, die sich unter anderem im Konzept einer die Grenze zwischen Zuschauern und Akteuren aufhebenden Raumbühne erkunden lasse....