Zersplitterter Spiegel
Bernhard Lang gehört heute zu den originellsten, aber auch verstörendsten Komponisten der Gegenwart. Vor allem mit seinen zahlreichen Musiktheaterwerken hat der Österreicher Furore gemacht. Seine jüngste, im März 2024 in Stuttgart uraufgeführte Oper «Dora» feierte mit sechs ausverkauften Vorstellungen einen sensationellen Publikumserfolg. Lang ist ein Nomade des Klangs.
Sein Stil beruht auf dem Phänomen von Differenz und Wiederholung, der Dekonstruktion, dem Recyceln, Remixen und Sampeln älterer Musik, seien es nun Klassiker wie Mozart, Wagner und Verdi oder die zeitgenössische Popmusik in all ihren Spielarten. Dabei arbeitet er an der Schnittstelle von Mensch und Maschine, an der das Maschinelle, ganz im Sinne des französischen Philosophen Gilles Deleuze, das Subjektive zum Schweigen bringt – mit computergestützten Techniken, mit denen er das Ausgangsmaterial zertrümmert, um es dann in Loops und harten Schnitten neu zu schichten und live zusammenzubauen.
Welche faszinierenden Klänge dabei entstehen, zeigen drei umfangreichere, 2020/21 entstandene Kompo -sitionen für Stimme und Kammer-Ensemble, die jetzt auf dem Avantgarde-Label KAIROS erschienen sind. Am leichtgewichtigsten sind ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 32
von Uwe Schweikert
Bedřich Smetana ist im kollektiven Musikgedächtnis als Komponist der «Moldau», dem prominentesten Teil des symphonischen Zyklus «Má vlast» (Mein Vaterland) abgespeichert. Aus Smetanas Opernschaffen hat eigentlich nur die «Verkaufte Braut» ihren Weg ins Kernrepertoire gefunden. Und die scheint derzeit aus der Mode gekommen, von den großen Häusern brachte zuletzt die...
In Bulgarien wird traditionell viel Musik von Giuseppe Verdi und von Giacomo Puccini gespielt, das deutsche Opernrepertoire hingegen ist nicht so stark vertreten. Umso erstaunlicher, dass das Opernhaus in Sofia nun schon zum sechsten Mal ein Wagner-Festival ausrichtet, das seinen Ausgang im Jahr 2010 mit einer Produktion des «Rheingold» nahm. Die drei restlichen...
Weder hat Claudio Monteverdi 1607 mit seiner Favola in musica «L’Orfeo» die Oper erfunden noch Christoph Willibald Gluck 1762 mit der Azione teatrale per musica «Orfeo ed Euridice» allein die Reform dieser Kunstform begründet. Dass beides dezidiert höfische Werke sind, besagt schon die Gattungsbezeichnung «Pastoraldrama». Dennoch besteht ihr Ausnahmerang zu Recht,...
