In der Vorhangfalte
Die Oper aller Opern – es ist eine viel zitierte Platitüde zu Mozarts unverwüstlichem Wüstling. Das Stück ist aber schwer zu inszenieren und zu musizieren. Schon Johannes Brahms meinte, wolle man einen gelungenen «Don Giovanni» erleben, müsse man in die Partitur schauen. Ganz so schlimm kommt es im Schwetzinger Schlosstheater nicht, dem sommerlichen Spielort des Nationaltheaters Mannheim. Alexander Mørk-Eidem inszeniert den Abschluss seines Da-Ponte-Zyklus in Koproduktion mit dem Nationaltheater Prag.
Das Ständetheater, es gehört heute zum Verbund der Prager Opernhäuser, war der Uraufführungsort von Mozarts Meisterstück – und eben dieses Theater bekommen wir gleich zu Beginn zu sehen und blicken durch ein zelt -artiges Vorhangportal in den Zuschauerraum mit seinen Logenrängen. Das ist schon mal ein Spiegel im Spiegel und damit Oper in der Oper. Nacht für Nacht kommt nun Don Giovanni als Wiedergänger seiner selbst auf die Bühne. Und so verfängt er sich in den Falten von Vorhang hinter Vorhang. Das ist ein barockes Prinzip passend zum barocken Ambiente des Spielorts. Aber diese Haupt -figur ist ohnehin ein mehrfach durch die Aufführungsgeschichte Gefalteter. Was soll einem dazu noch ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Bernd Künzig
Potzblitz, Parbleue und Himmelsakrament! An der Deutschen Oper Berlin ist der kurze (Früh-)Sommer der Anarchie ausgebrochen. Das Musiktheaterkollektiv «Hauen und Stechen» hat sich John Adams’ augenzwinkernder Politparabel «Nixon in China» angenommen, eines Stücks, das seit seiner Uraufführung 1987 in Houston Geister und Gemüter spaltet. Verfechter der Minimal Music...
Mozarts «Così fan tutte» ist eine der wenigen Opern, die man eigentlich nicht verfehlen kann, weil die szenische Dramaturgie von Lorenzo Da Pontes genialem Libretto in jedem Setting, ob konkret verortet oder abstrakt, funktioniert. Die Wette auf die Frauentreue, die Don Alfonso inszeniert, gleitet dem misogynen Zyniker schnell aus der Hand, aus Spiel wird Ernst....
Aparte Idee: die Welt nicht als Buch oder philosophischer «Fall», sondern als Bauch, in ihrer Kugelgestalt würdig vertreten vor allem von einem Mann: Sir John Falstaff. Wuchtige zwei Yard misst sein Wanst, das muss genügen, um sich jeder Unbill couragiert entgegenzustellen oder, im Zweifelsfall, auch entgegenzuwerfen. Und wenn dann auch noch spanischer Sekt (wie...
