Zeremonien und Rituale
Der Big Apple liebt den Superlativ. Wer sich und seine Sache nicht in den höchsten Tönen anpreist, steht hier schnell im Abseits. Das Größte, das Glanzvollste, das Berühmteste muss es schon sein, wenn man die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erregen will. Auf dem Marktplatz New York zählt nun mal vor allem der grelle Pinselstrich, das blendende Breitwandformat.
Wie das gewinnbringende Zusammenspiel von Produkt und PR dort funktioniert, lässt sich am Beispiel der Metropolitan Opera studieren.
Seit Peter Gelb die Zügel in dem 3800-Plätze-Haus am Lincoln Center in der Hand hält, ist die alte Operntante gleichsam über Nacht wieder zu einem hot issue geworden. Die Premiere von «Madama Butterfly» in der Inszenierung des Hollywood-Regisseurs Anthony Minghella, mit der Gelb im September vergangenen Jahres die erste Saison seiner Amtszeit eröffnete (siehe OW 11/2006), hatte das Flair eines unverzichtbaren gesellschaftlichen Events: So viele (Film-) Stars und VIPs jedweder Provenienz waren schon lange nicht mehr in den Met-Foyers gesichtet worden. Zudem hatte der neue General Director eine Live-Übertragung der Aufführung auf den Times Square eingefädelt: Tausende New Yorker konnten ...
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Der Mann war entweder einfach gut oder er verfügte über glänzende Kontakte – im Glücksfall sogar beides. Martín y Soler schrieb mehr als dreißig Opern und rund zwanzig Ballette für die bekanntesten Theater Europas, darunter das Burgtheater in Wien, die Eremitage in St. Petersburg, das King’s Theatre in London und das San Carlo in Neapel, wo 1779 seine «Ifigenia in...
Sympathie voraus. Das war stets die Devise, von Band zu Band. Kaum ein Musikschriftsteller, kaum ein groß angelegtes Werk, dem die uneingeschränkte Hochachtung von Station zu Station von vornherein so sicher gewesen wäre wie Ulrich Schreiber und seinem «Opernführer für Fortgeschrittene». Und das schon, aber keineswegs nur wegen der nachgerade gigantischen...
«Les Contes d’Hoffmann» feierten 2002 an der Deutschen Oper Berlin eine ambitionierte, doch unfertig wirkende Premiere in der Regie von Sven-Eric Bechtolf. Weniger anspruchsvoll, dafür konsequent durchinszeniert, hebt nun die Komische Oper Thilo Reinhardts deutschsprachige Produktion (mit Dialogen) auf die Bühne. Dem Regisseur kommt dabei die Aufgabe zu, gegen die...
