Zeitparabel

Ullmann: Der Kaiser von Atlantis an der Helikon-Oper Moskau

Opernwelt - Logo

Man könnte denken, diese Oper sei soeben erst in Moskau geschrieben und ins Deutsche übersetzt worden, um den in Russland stark verbreiteten Denunziationen zu entgehen. Denn der in Einsamkeit regierende Herrscher, der sich in Viktor Ullmanns «Kaiser von Atlantis» für eine Weile «zum besseren Regieren» zurückgezogen hat, das ist im Grunde Russland. Und der «Krieg aller gegen alle» passt leider auch in unsere Zeit ...

Die musikalische Umsetzung in der Moskauer Helikon-Oper verdient höchste Anerkennung.

Die Dirigentin Elena Sosulnikova (sie gibt ihr Haus-Debüt) hat ein feines Gespür für die stilistischen Nuancen der Partitur, und sie reagiert mit resolut-entschlossenen Impulsen auf das Orchester wie auf Solistinnen und Solisten. Sie alle erweisen sich als sensibel und fähig zur dynamischen Umsetzung, was nicht unwesentlich ist: Ohne Erfahrung im deutschen Fach hätte die Gefahr bestanden, ins Amateurhafte abzurutschen. Alle Rollen werden nicht nur kraft- und stilvoll gesungen, sie werden auch tief verstanden. Besondere Lobeshymnen verdient Dmitrij Skorikov als «der Tod»: Diese Figur ist für Moskau heute besonders relevant, denn die Hauptnachrichten, die etliche Menschen täglich lesen, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Alexei Parin

Weitere Beiträge
Vorschau und Impressum 7/24

Große Stimme
Ihren Durchbruch feierte sie 2008 als liebende Kriegerin in Othmar Schoecks «Penthesilea». Seither eilt Tanja Ariane Baumgartner von Erfolg zu Erfolg und gilt inzwischen völlig zu Recht als einer der führenden Mezzosoprane unserer Zeit. Darstellerische Klugheit verbindet sich dabei mit einer warmtönenden und facettenreichen Stimme. Ihre Spezialität...

Sehnsucht im Datensalat

Aus Alt mach Neu: Dieses Credo galt heuer sowohl bei den Göttinger Händel-Festspielen wie an der Saale. In Göttingen reaktivierte der Künstlerische Leiter George Petrou nach «Giulio Cesare» und «Semele» die bis ins 19. Jahrhundert selbstverständliche Kunst des Pasticcio. Am Beginn des Projekts stand Petrous Wunsch, Alternativen aus Händel-Partituren aufzuführen....

Editorial 7/24

Leporello, Don Giovannis emsig-empathischer, nur zuweilen sozial erboster Diener, kannte das Handy nicht. Er führte Buch. Und das so penibel, dass er imstande war, sämtliche Opfer des erotischen Vergifters aufzulisten. In seiner Register-Arie, die kaum zufällig in der Jagd-Tonart D-Dur steht, berichtet Leporello Donna Elvira en détail davon. In Italien waren es...