Zeitparabel

Ullmann: Der Kaiser von Atlantis an der Helikon-Oper Moskau

Opernwelt - Logo

Man könnte denken, diese Oper sei soeben erst in Moskau geschrieben und ins Deutsche übersetzt worden, um den in Russland stark verbreiteten Denunziationen zu entgehen. Denn der in Einsamkeit regierende Herrscher, der sich in Viktor Ullmanns «Kaiser von Atlantis» für eine Weile «zum besseren Regieren» zurückgezogen hat, das ist im Grunde Russland. Und der «Krieg aller gegen alle» passt leider auch in unsere Zeit ...

Die musikalische Umsetzung in der Moskauer Helikon-Oper verdient höchste Anerkennung.

Die Dirigentin Elena Sosulnikova (sie gibt ihr Haus-Debüt) hat ein feines Gespür für die stilistischen Nuancen der Partitur, und sie reagiert mit resolut-entschlossenen Impulsen auf das Orchester wie auf Solistinnen und Solisten. Sie alle erweisen sich als sensibel und fähig zur dynamischen Umsetzung, was nicht unwesentlich ist: Ohne Erfahrung im deutschen Fach hätte die Gefahr bestanden, ins Amateurhafte abzurutschen. Alle Rollen werden nicht nur kraft- und stilvoll gesungen, sie werden auch tief verstanden. Besondere Lobeshymnen verdient Dmitrij Skorikov als «der Tod»: Diese Figur ist für Moskau heute besonders relevant, denn die Hauptnachrichten, die etliche Menschen täglich lesen, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Alexei Parin

Weitere Beiträge
Todestanz

Krzysztof Warlikowski liebt es, unterschiedliche Werke miteinander zu verbinden, um daraus eine ganz persönliche Vision zu entwickeln. So auch 2015 in Paris, als er Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» und Poulencs «La voix humaine» zu einer eindrucksvollen Aufführung verband. Die Produktion, die nichts von ihrer Faszination verloren hat, wurde nun am Teatro San Carlo...

Der Augenblick der Liebe

Den Edelmann aus der Mancha kennen die meisten lesenden Erdenbewohner, Miguel de Cervantes hat ihm ein opulentes, 1500 Seiten langes literarisches Denkmal gesetzt. Wie sein Leben klingen könnte, das wissen zumindest Richard-Strauss-Fans; dessen burleske Tondichtung gehört zum Besten, was in der Gattung zuwege gebracht wurde. Wie sich aber Don Quichotte auf der...

Innere Horizonte

Im Unterschied zu Hector Berlioz und Claude Debussy ist Gabriel Fauré, der dritte große Komponist Frankreichs im 19. Jahrhundert, hierzulande nie wirklich angekommen. Umso mehr ist es zu begrüßen, dass der französische Bariton Stéphane Degout im Fauré-Jahr 2024 fünf seiner bedeutendsten Liedzyklen in einer glänzenden Neuaufnahme vorlegt. Man muss bis zum jungen...