Mit Gottes Hilfe
Die Geschichte ist alt. Sehr alt. Wir finden sie in der Bibel, im «Buch der Richter», Kapitel 16. Und schon der Beginn lässt einen erschaudern: Die Geschichte spielt in Gaza, und sie handelt vom Sterben. Simson, von Gott als Nasiräer geweiht, kommt nach Gaza, geht zu einer Dirne und wird dafür von den Menschen dort gehasst. Sie wollen ihn umbringen, doch Simson besitzt übermenschliche Kräfte. Er reißt die Flügel der Stadttore aus ihrer Verankerung und trägt sie auf den Gipfel jenes Berges, der Hebron gegenüberliegt.
Im Tal Sorek verliebt sich Simson kurze Zeit später in die schöne Delila. Als die Fürsten der Philister Kunde davon erhalten, beauftragen sie Delila, ihn zu betören und herauszufinden, worin seine unbotmäßigen Kräfte bestehen – und wie man ihn überwältigen könne. Dafür bieten sie ihr 1100 Silberstücke. Drei Versuche unternimmt Delila, um dem Mann sein Geheimnis zu entlocken, drei Mal täuscht er sie. Erst beim vierten Mal verrät Simson, dass er an Stärke verlöre, würde man ihm das Haar scheren. Im Schlaf schneidet ihm Delila dann sieben Locken ab und schwächt ihn damit entscheidend. Die Philister kommen herbei, packen Simson und stechen ihm die Augen aus. Dann führen sie ...
Das «unmögliche Kunstwerk» Oper lebt, allen Unkenrufen zum Trotz. Als Beleg mögen abseits der Pflege des kanonischen Repertoires auch und vor allem jene Stücke dienen, die sich mit der Tradition der Gattung auseinandersetzen, dabei aber neue Wege beschreiten. Um solche Werke des Musiktheaters soll es in dieser Rubrik gehen: um Uraufführungen, in denen neue Narrative kreiert werden und die Form selbst auf dem Prüfstand steht, zugleich aber auch jene Rezeption befragt wird, die sich mit der Wiederholung überlieferter Deutungsmuster begnügt. Zu Wort kommen Komponistinnen und Komponisten, Dramaturginnen und Dramaturgen sowie Dirigentinnen und Dirigenten.
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Virginie Germstein
Ertrinken, /versinken-, / unbewusst- / höchste Lust? Nein, dasdann doch nicht. Wagners «Liebestod» würde Hera Hyesang Park kaum in die Kehle kommen, auch nicht in ihrem neuen, spirituell ausgerichteten Album mit dem Titel «Breathe». Die Natur hat ihr das Hochdramatische nicht mitgegeben, Isolde wäre ein vokaler Drahtseilakt ohne Netz für die lyrische Sopranistin....
Die Geschichte spielt in vorchristlicher Zeit, und sie ist so abenteuerlich, so absurd, dass man heftig das Haupt schütteln müsste, wüsste man nicht um den Erfindungsreichtum jenes Mannes, der sie niederschrieb: Pietro Metastasio bewies auch mit «Alessandro nell’Indie» auf Racines Tragédie «Alexandre le Grand» aus dem Jahr 1665 (die wiederum ihre frühen Quellen bei...
Große Stimme
Ihren Durchbruch feierte sie 2008 als liebende Kriegerin in Othmar Schoecks «Penthesilea». Seither eilt Tanja Ariane Baumgartner von Erfolg zu Erfolg und gilt inzwischen völlig zu Recht als einer der führenden Mezzosoprane unserer Zeit. Darstellerische Klugheit verbindet sich dabei mit einer warmtönenden und facettenreichen Stimme. Ihre Spezialität...
