Zeitlose Antike
Die griechische Literatur kennt Elektra, Medea, Klytemnästra und manch andere mythologische Schreckensfrauen. Frank Wedekinds Femme fatale Lulu, das «wilde schöne Tier», die «Alleszerstörerin» übertrifft sie indes alle. Lulu gebraucht und vernichtet die Männer wie jene in ihr nur das Weib gebrauchen, bis sie es zerstören. Nicht verwunderlich, dass die Gestalt der Lulu vielen Griechen keineswegs fremd ist, hat dieser «Dämon des weiblichen Geschlechts» (Wedekind) doch durch und durch antikes Format.
Nikos Tsouchlos, Künstlerischer Leiter und Generalmusikdirektor des Megaron, des gigantischen Athener Multifunktions-Konzerthauses und Konferenz-Centers, hat sich einen persönlichen Wunsch erfüllt, indem er Bergs «Lulu» jetzt erstmals nach Hellas holte: ins seit der letzten Olympiade und dem Beitritt des Landes zur EU prosperierende, prächtig aufgeputzte Athen. Als Anlass für das griechische «Lulu»-Debüt wählte Tsouchlos die Eröffnung jener neuen, tausendsiebenhundert Plätze bietenden Opernspielstätte des Megaron, die direkt neben dem großen Konzertsaal (zweitausend Plätze) liegt. 1991 war der elegante, großzügig in weißen Marmor gehüllte Komplex seiner Bestimmung übergeben worden. Man ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Vielleicht ist «La forza del destino» – obgleich nach dem spanischen Drama «Don Álvaro, o la fuerza del sino» von 1835 komponiert – Verdis radikalste Shakespeare-Oper: Einheit von Ort und Zeit sind aufgebrochen wie nie im Werk dieses immer wieder nach neuen Lösungen suchenden Komponisten. Dralle, burleske Massenszenen wechseln mit hohem tragischen Ton; inbrünstiges...
Seit 1991 stemmt sich Walter Kobéra nun schon gegen das Verdikt, dass neues Musiktheater in Wien allenfalls als Festivalgabe ans Publikum zu bringen sei. Und das mit trotzigem Erfolg. Jährlich vier Premieren bietet seine durch städtische und Bundesmittel mit rund sechshunderttausend Euro unterstützte Neue Oper. Dass man sich ausschließlich um Werke der klassischen...
An der Mercedesstraße von Cannstatt nach Untertürkheim liegt die Stuttgarter Schleyerhalle, in der Reitturniere stattfinden, Holiday on Ice versprochen wird und in der Bon Jovi oder Udo Jürgens auftreten. Rund achttausend Zuschauer begehrten an einem goldenen Oktoberabend Einlass, um eine Legende zu besichtigen: Luciano Pavarotti, der wenige Tage zuvor siebzig...
