Neue Heimatkunst
Das Projekt verdankt sein zentrales Stichwort dem bewundernden Ausruf eines Radioreporters über den Stürmer Günter Netzer (bzw. dem Kulturtheoretiker Karl Heinz Bohrer, der die tiefsinnige Formulierung kolportierte). Die Kreation zielt hörbar auf Phänomene der Alltagskultur – und auf den Versuch, Impressionen und Entladungen aus der Fußballwelt in die Sphäre einer repräsentativen Tonkunst zu transformieren.
Michael Klaus aus Gelsenkirchen, der bereits ein Schalke-Musical textete («Nullvier – Keiner kommt an Gott vorbei»), schrieb das Libretto für ein ambitioniertes Fußball-Oratorium. Um das brodelnde Innenleben eines Stadions einzufangen (und was aus ihm hinausdringt in die übrige Welt), benutzte er vor allem das Stilmittel der Radio-Live-Konferenz.
Freilich greifen die aufgebotenen literarischen und kompositorischen Techniken weit in die Geschichte aus. Die Form der Szenenfolge, die sich an der rasch zu erzählenden Biografie eines typischen Profifußballers entlanghangelt, ist an die Dramaturgie des barocken (geistlichen) Oratoriums angelehnt. Eine geballte Ladung neueres Medien-Deutsch, abgehangene Fußballweisheiten sowie Klassiker-Sentenzen und Bibelsprüche verleibte sich der ...
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Eine Oper mit einer von Liebe und Intrigen bestimmten, schlüssig und mit einem Schuss Kolportage ausgebreiteten Handlung, dazu von einer blühenden Melodik, die ins Ohr geht und Verdis knapp zwei Jahrzehnte früherem «Nabucco» in nichts nachsteht. Merkwürdig, dass sich Ferenc Enkels «Bánk Bán», in Ungarn geradezu kultisch als Nationaloper verehrt, im angrenzenden...
Ein Klotz mit sechsundsechzig CDs: «Michael Raucheisen. The Man at the Piano.» Wer war der Mann am Klavier? Darauf kann man am besten mit einer Anekdote aus den Memoiren von Frida Leider antworten: «Über seine Berühmtheit als Konzertbegleiter kursierte in Berliner Künstlerkreisen folgender Scherz: ‹Liederabend Michael Raucheisen. Am Sopran: Sängerin X.›»
Raucheisen...
Zum Scheitern führen viele Wege. Die Regisseure der beiden Opern-Neuproduktionen zu Beginn der laufenden Spielzeit am Badischen Staatstheater, Robert Tannenbaum bei «Simon Boccanegra» und Denis Krief, der seine Auseinandersetzung mit dem «Ring des Nibelungen» nach dem «Rheingold» im vorigen Jahr jetzt mit der «Walküre» fortgesetzt hat, gingen von diametral...
