Zeichen der Zeit
Der 27. Januar ist in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ein überaus bedeutsames Datum. An diesem Tag wird seit nunmehr 30 Jahren der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau gedacht, einem der schlimmsten Orte, die es seit Menschengedenken gegeben hat; es genügt, um das zu wissen, Primo Levis vorbehaltlose Erinnerungen «Ist das ein Mensch?» noch einmal zu lesen.
In Auschwitz wurde für jede Jüdin, für jeden Juden Wirklichkeit, was Sartres Sentenz «Die Hölle sind die anderen» (aus dessen Drama «Geschlossene Gesellschaft») in der hierarchischen Perspektive bedeutete und was schon Sophokles in seiner «Antigone» den Chor der alten Thebaner sagen lässt: «Ungeheuer ist viel. Doch nichts / Ungeheurerer als der Mensch.»
Viktor Ullmann, der noch im KZ Theresienstadt als vom Arbeitsdienst freigestellter Organisator von Musikveranstaltungen die Zeit dazu gefunden hatte, seine Kammeroper «Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung» zu komponieren und sogar noch einzustudieren – die Noten für die dort verfügbare Besetzung von Streichquintett, Flöte, Oboe, Klarinette, Altsaxophon, Trompete, Banjo, Cembalo (Klavier), Harmonium und kleines Schlagwerk schrieb er auf ...
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Opernwelt März 2026
Rubrik: Magazin, Seite 92
von Jan Verheyen
Die Geschichte um das Konzert im Jahre 1995 ist besser als der Abend selbst. Llangollen in der Grafschaft Denbighshire im Nordosten von Wales – kaum einer kennt dieses Örtchen. Für Fernando Pavarotti bekam es allerdings eine immense Bedeutung und auch für seinen damals 19-jährigen Sohn Luciano. Beide nahmen 1955 als Mitglieder der Società Corale Gioachino Rossini...
Wo es um Verführung geht, um sinnlich-erotisches Begehren, also um die mannigfaltigen Formen von Lust und Sexualität, war die Philosophie nie weit. Schon Platon warnte höchst eindrücklich davor, sich dem ungezügelten Verlangen hinzugeben, er plädierte für einen vernunftgesteuerten, empathischen Liebesbegriff. Auch in der Folge versuchten die Interpreten dieser...
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute: deutsche Märchenopern. Beinahe könnte man diese Gattung für unsterblich halten. Sie feierte Hochkonjunktur in den Zeiten der Romantik, erlebte um 1900 eine neue Blütezeit, trat philosophisch ertüchtigt noch einmal mit Strauss’ «Frau ohne Schatten» und mit Respighis «La Campana sommersa» nach Gerhart...
