Zauberwelt der leisen Gesten
Mal wandert ein Lichtstreif von links nach rechts; mal treibt ein schwarzer Strich die Figuren auf der hellen Bühne vor sich her; mal trennt er die, die zusammen wollen. Das Licht ist an diesem Abend eine eigenständige dramatis persona. Die Menschen bewegen sich im Tempo der Musik, also in slow motion, sind in ihren Gängen und Gesten strikt aufeinander bezogen.
Dass ihre Aktionen trotz der Stilisierung lebensnah bleiben und genau jene verbalen Äußerungen provozieren, die im Libretto folgen, macht neben der streng durchgeformten Lichtregie die Stärke der «Pelléas»-Inszenierung von Sandra Leupold aus.
Jede Szene ist in statische oder mobile Licht- und Dunkelzonen geteilt. Die Grottenbilder etwa spielen in totaler Finsternis. Die Menschen sind blind. Sie sehen nicht, welche Gefahren im Dunkeln auf sie lauern. Das macht ihnen Angst. Golaud aber will den Durchblick. Armand Arapian nutzt die Möglichkeiten, die ihm das meist piano musizierende Philharmonische Staatsorchester Mainz lässt, zu einem meisterlich durchgearbeiteten Rollenporträt. Er zerrt Mélisande aus dem schützenden Dunkel ihrer Geschichte ins grelle Licht von Allemonde. Pelléas (baritonal timbriert, aber kraftlos: Richard ...
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Die Stärken der Aufführung liegen auf musikalischer Seite. Man spielt im Wesentlichen die Fassung von 1872 plus Basilius-Kathedralen-Bild von 1869 in deutscher Übersetzung von Max Hube. GMD Golo Berg gelingt es in einer klangsuggestiven, straffen, gleichwohl poetischen Lesart, den Balanceakt zwischen Archaik und Moderne hörbar zu machen, der Mussorgskys «Boris...
Das Ende ist Stille. Nur von einem ätherischen Geigenschimmer getragen entschwebt die Seele der getauften Muslimin Clorinda in Claudio Monteverdis «Combattimento» gen Himmel. Die Musik löst sich in nichts auf, gesteht ein, dass ihre Mittel hier am Ende sind, dass alle tönende Pracht der voraufgegangenen «Marienvesper» nicht über die Endlichkeit des Daseins...
Der Zuschauer wohnt den Dreharbeiten eines Films mit dem Titel «Die drei Wünsche» bei. Das ist auch schon alles, was diese Oper mit dem alten Illusionstheater zu tun hat. Nach den «Dreharbeiten» darf man dann die «Weltpremiere» des Films miterleben, Stars und Sternchen inklusive. Der zweite Teil besteht im Wesentlichen aus einer handlungstragenden Filmsequenz:...
