Zauberwelt der leisen Gesten

Mainz, Debussy: Pelléas et Mélisande

Mal wandert ein Lichtstreif von links nach rechts; mal treibt ein schwarzer Strich die Figuren auf der hellen Bühne vor sich her; mal trennt er die, die zusammen wollen. Das Licht ist an diesem Abend eine eigenstän­dige dramatis persona. Die Menschen bewegen sich im Tempo der Musik, also in slow motion, sind in ihren Gängen und Gesten strikt aufeinander bezogen.

Dass ihre Aktionen trotz der Stilisierung lebensnah bleiben und genau jene verbalen Äußerungen provozieren, die im Libretto folgen, macht neben der streng durchgeformten Lichtregie die Stärke der «Pelléas»-Inszenierung von Sandra Leupold aus.
Jede Szene ist in statische oder mobile Licht- und Dunkelzonen geteilt. Die Grottenbilder etwa spielen in totaler Finsternis. Die Menschen sind blind. Sie sehen nicht, welche Gefahren im Dunkeln auf sie lauern. Das macht ihnen Angst. Golaud aber will den Durchblick. Armand Arapian nutzt die Möglichkeiten, die ihm das meist piano musizierende Philharmonische Staatsorches­ter Mainz lässt, zu einem meisterlich durchgearbeiteten Rollenporträt. Er zerrt Mélisande aus dem schützenden Dunkel ihrer Geschichte ins grelle Licht von Allemonde. Pelléas (baritonal timbriert, aber kraftlos: Richard ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2007
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Boris Kehrmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zeremonien und Rituale

Der Big Apple liebt den Superlativ. Wer sich und seine Sache nicht in den höchs­ten Tönen anpreist, steht hier schnell im Abseits. Das Größte, das Glanzvollste, das Be­rühmteste muss es schon sein, wenn man die Aufmerksamkeit der ­Öf­fentlichkeit erregen will. Auf dem Marktplatz New York zählt nun mal vor allem der grelle Pinselstrich, das blendende...

Röntgenblicke auf Elektra

Trotz des aufgebotenen Riesenorchesters ist die «Elektra» von Hofmannsthal und Strauss ein psychologisches Kammerspiel, dessen feine Nuancen nach dem aufmerksamen Kamera-Auge verlangen. Vier beinahe zeitgleich veröffentlichte DVD-Mitschnitte von Produktionen aus einem Vierteljahrhundert ziehen unsere Aufmerksamkeit auf drama­tische und darstellerische Details, die...

Kraftvolle Jugendlichkeit

«Man kann das Technische, das Vokalartis­tische dieser prachtvoll strömenden, des ­pathetischen wie des zartesten Ausdrucks mächtigen Baritonstimme beschreiben, ihre Feinheit, lyrische Verinnerlichung und männliche Ausdruckskraft, ihre wunderbare Modulationsfähigkeit und vergeistigte Schlichtheit – das alles würde nicht ausreichen, die unvergleichlich tiefe Wirkung...