Spannend, geistreich, unterhaltsam
Ein großer Tag, ein Ehrentag für Generalintendant Klaus Pierwoß: In seiner letzten Spielzeit wurde ihm der neu geschaffene Preis der Deutschen Theaterverlage überreicht, und was Winfried Jacobs, der Vorsitzende der Jury, dazu an Begründungen in seiner Laudatio ausführte, zeigte eindrucksvoll den Rang, den das Bremer Musiktheater dank Pierwoß während der letzten zwölf Jahre innerhalb der deutschen Stadttheaterlandschaft eingenommen hat.
Durch sein planerisches Denken wie durch seinen konzeptionellen Mut habe der Intendant «eindrucksvoll die Leistungsfähigkeit eines Mehrspartenhauses unter Beweis gestellt». Seine prägende Handschrift sei «Beleg dafür, dass über das bloße Verwalten eines Opernhauses hinaus Leidenschaft und Begeisterung für das Medium Theater und eine unbändige Freude, spannendes, geistreiches, unterhaltsames Theater im besten Sinne für ein ebenso offenes wie dankbares Publikum zu machen, allein der Schlüssel für eine erfolgreiche Theaterarbeit» sei. Aus dieser Haltung heraus sei ein Spielplan entstanden, der «stets eine ausgewogene Mischung aus Bekanntem und Unbekanntem, aus Altem und Neuem» aufgewiesen habe und der durch die elf von Pierwoß initiierten ...
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Es sei ein Zeichen von geistesgeschichtlichem Instinkt, dass Kritiker zur Eitelkeit neigen, befand Joachim Kaiser im einleitenden Essay zu seinem «Kleinen Theatertagebuch» (1965). Denn dadurch verrieten sie, dass sie alle Sicherheiten des Urteils vorspielen müssten. Dies scheint sich vor allem dann zu bestätigen, wenn in ein und derselben Sache die Meinungen...
«Man kann das Technische, das Vokalartistische dieser prachtvoll strömenden, des pathetischen wie des zartesten Ausdrucks mächtigen Baritonstimme beschreiben, ihre Feinheit, lyrische Verinnerlichung und männliche Ausdruckskraft, ihre wunderbare Modulationsfähigkeit und vergeistigte Schlichtheit – das alles würde nicht ausreichen, die unvergleichlich tiefe Wirkung...
Je älter er wurde, desto aristokratischer wirkte er mit seiner schlanken Gestalt und dem schmalen, vergeistigten Gesicht. Aber wenn man ihm begegnete, in Spoleto bei seinem «Festival zweier Welten» oder auch nur im kleinen Gießen, wo er auf Einladung seinen «Konsul» und seine «Globolinks» inszenierte, dann schienen die Jahre irgendwie spurlos an ihm...
