ZAUBERINNEN IN NOT

Sandrine Piau begeistert mit Arien von Händel

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Georg Friedrich Händels mehr als 40 Opern sind ein unerschöpfliches Reservoir für Recitals. Die barocke Da-capo-Arie war eine Schablone, aber in der Hand eines Ausnahmekönners wie Händel gebot sie über unbegrenzte Möglichkeiten, einen emotionalen Seelenzustand so unmittelbar in Musik auszudrücken, dass hinter dem Gesang ein Individuum, ein Gesicht sichtbar wurde und wird. Oft hält man den Atem an, und manchmal bleibt einem sogar fast das Herz stehen, wenn seine Figuren sich im Gesang verströmen, wie jetzt auf dem neuesten Album der französischen Sopranistin Sandrine Piau.

 

Gewidmet hat sie es den «Enchanteresses» – jenen starken, aber auch verletzlichen barocken Zauberinnen aus dem Garten der Lüste, die das Begehren der Männer fesseln, dann aber doch an den Verirrungen ihrer eigenen Leidenschaft tragisch zugrunde gehen. Piau selbst ist ja eine singende Zauberin, die nach drei Jahrzehnten einer beispiellos erfolgreichen Karriere noch immer ihr Publikum fesselt – als Überbringerin des furiosen Hasses, wie ihn Melissa in der frühen Oper «Amadigi di Gaula» zu obligater Trompete und Oboe im virtuosen Koloraturfeuerwerk abbrennt; noch mehr aber als Botin jenes schmerzlichen Klagetons, ...

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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Hören, sehen, lesen, Seite 32
von Uwe Schweikert

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