Zarte Liebesträume

Marlis Petersen singt Lieder von Schumann, Strauss, Zemlinsky und Wagner

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Man will dem romantischen Dichter Adelbert von Chamisso ja nicht zu nahe treten, doch was er mit seinem Gedichtzyklus «Frauenliebe und -leben» im Sinn führte, will sich beim besten Willen nicht in das moderne Konzept einer heteronorma -tiven Beziehung zwängen lassen. Schon die ersten Verse erzeugen ein veritables Stirnrunzeln: «Seit ich ihn gesehen / Glaub’ ich blind zu sein, wo ich hin nur blicke, / Seh’ ich ihn allein.» Hm.

Noch ärger treibt es Chamisso im zweiten Gedicht: «Er, der herrlichste von allen, / Wie so milde, wie so gut!» Selbst aufgeklärte männliche Naturen würden wohl bei diesem Gedanken, so verführerisch er anmutet und die virile Brust ins Stolze schwellen lässt, leicht zusammenzucken.

Auch Marlis Petersen scheint am Wahrheitsgehalt solch kühner dichterischer Männerphantasien berechtigte Zweifel zu haben. Sie singt beide Schumann-Lieder mit angezogener Handbremse, ganz und gar nicht überschwänglich. Nicht, dass sie grundsätzlich an der Kraft der Gefühle zweifeln würde, schließlich lautet der Titel ihres neuen Albums mit Werken von Schumann, Zemlinsky, Strauss und Wagner «Blüten der Liebe». Doch die Art und Weise, wie sich die Sopranistin, von Stephan Matthias ...

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Opernwelt September/Oktober 2026
Rubrik: Medien, Seite 58
von Virginie Germstein

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