Editorial Opernwelt 9/26
Ach, Kinder, was waren das doch für Zeiten, die viel besungenen «Goldenen Zwanziger», besonders im Großstadtdschungel von Berlin, wo es noch am einfachsten war, sich zwischen Rausch und Ruin, Inflation und Inspiration, Kapitalismus und Kunst, Wahn und Witz hindurchzuschlängeln.
Den Soundtrack zu dieser ausgelassenen Stimmung, die das in der Metropole herrschende soziale Elend allerdings kaum zu kompensieren vermochte, schrieb Kurt Weill: «Berlin im Licht», hieß das Zauberstück, eine Melange aus Blues, Foxtrott, Boston und Marschmusik, und überall auf den Gassen hörte man die Verse, die Bertolt Brecht dazu gedichtet hatte: «Und zum Spazierengehen genügt das Sonnenlicht, / Doch um die Stadt Berlin zu sehen, genügt die Sonne nicht. / Das ist kein lauschiges Plätzchen, das ist ’ne ziemliche Stadt, / damit man da alles gut sehen kann, da braucht man schon einige Watt. / Ja wat denn? Ja wat denn? / Was ist dat für ’ne Stadt denn?»
Das war damals eine sehr gute Frage – und ist es knapp 100 Jahre später wieder. Vor allem, wenn man auf die Opern der Bundeshauptstadt schaut, ihren architektonisch-ästhetischen Zustand. Da ergeben sich Differenzen, und sie sind alles andere als unerheblich. ...
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Opernwelt September/Oktober 2026
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Während der 1960er- und 1970er-Jahre wurde in der Bundesrepublik Deutschland die Kunstform Oper von ihren Fundamentalkritikern als zu lebensfern und teuer gebrandmarkt. Reaktionär, schon gar nicht gesellschaftsrelevant und den freien Künstlerinnen und Künstlern die Subventionen stehlend sei das Ganze – so lautete die Dauerkritik aus der politisch linken, respektive...
Nicht einmal der Elefant befand sich im Raum. Weil man Markus Hinterhäuser ja in diesem Sommer ständig und überall sehen oder persönlich begegnen konnte. Auf der Hofstallgasse vor den Festspielhäusern, in den Spielstätten selbst, wo der geschasste Intendant naturgemäß nicht seinen Stammplatz einnahm, einmal sogar auf der Mozarteum-Bühne, wo er allen Erwartungen...
Bis heute übt Johann Wolfgang von Goethes «Erlkönig» eine große Faszination auf Komponisten aus. Etwa 40 Vertonungen der Ballade hat die Pianistin Doriana Tchakarova identifiziert, dreizehn davon (die jüngste stammt vom 1967 geborenen Stefan Schulzki) hat sie nun mit dem Bariton Johannes Held aufgenommen. Was reizt zur musikalischen Gestaltung? Die Dramatik des...
