Götter und Menschen
Barockopern liegen nicht einfach so herum, und nicht jeder findige Geist, der ein Stück in den Archiven entdeckt, kann es mal eben flugs auf irgendeine Bühne bringen. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass ausgerechnet Francesco Cavallis erstes Bühnenwerk «Le nozze di Teti e Peleo» bislang keine szenische Umsetzung erfuhr, obwohl doch die Aufführungsgeschichte dieser Oper, die 1639 am Teatro San Cassiano in Venedig herauskam, mehr als ausreichend dokumentiert ist. Es gibt ein gedrucktes Textbuch und eine Partitur, beides liegt, frei verfügbar, in der Biblioteca Nazionale Marciana.
Mit dem 113-blättrigen Manuskript konfrontiert, fingen für Antonio Greco die Schwierigkeiten jedoch erst an. Der Cembalist und Dirigent leitete die Erstaufführung der Oper in unserer Zeit beim diesjährigen Monteverdi Festival in Cremona. Die Partitur liefert nur einen rudimentären Eindruck von dem Stück – was nicht daran liegt, dass das Manuskript schlecht erhalten wäre, sondern an seinem Zweck. Es war wahrscheinlich für einen Continuo-Spieler bestimmt und zeigt nur eine Basslinie sowie die Gesangsstimme, und das selbst dort, wo der Komponist Orchesterritornelle vorgesehen hat. Daraus resultiert eine ...
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Opernwelt September/Oktober 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 36
von Richard Lorber
Herr Behle, was haben Sie gelernt nach Ihrer ersten Operette?
Der wichtigste Punkt war wohl: Was kann ich einem Orchester zutrauen, wenn die Probenzeit begrenzt ist? Wie bekomme ich mit möglichst geringem Aufwand das zu hören, was ich möchte? Das betrifft auch Tempiwechsel oder Rhythmusänderungen, die beim Einstudieren viel Zeit brauchen. Vom Studium her waren wir...
Ein bisschen Metaphysik geht immer. Zumal, wenn gerade die Welt eingestürzt ist und unzählige Millionen von Toten auf den Schlachtfeldern, in den Konzentra -tionslagern und in den Städten zu beklagen sind. Benjamin Britten, der erklärte Pazifist, hatte ein gutes Gespür für das, was nach dem Zweiten Weltkrieg möglich war, was die Menschen hören konnten. Also...
Giovanni Zenatello ist in diesen sommerlichen Veroneser Tagen allgegenwärtig. Nicht nur, weil sich der Geburtstag des Tenors, Impresarios und Stimmenentdeckers zum 150. Mal jährt, sondern vor allem, weil sein Traum weiterlebt. Unter dem ersten Arkadenbogen hängt Zenatellos Radamès-Schwert. Bronze, leicht patiniert, halb Reliquie, halb Theatermythos. Man muss nicht...
