«Das Schönste ist der Wechsel»
Frau Marciniak, was fällt Ihnen leichter – an Gott zu glauben oder an die Ideale der Französischen Revolution?
Oh, was für eine Frage! (überlegt eine Weile) Ich denke, beide Ideen sind verlockend, da es eine menschliche Notwendigkeit gibt, an irgendetwas zu glauben. Der Gottesglaube hilft uns, gewisse Dinge unserer Existenz besser zu akzeptieren. Und die Ideale der Französischen Revolution finde ich deswegen interessant, weil sie so modern und also präsent sind.
Wir streben ja nach wie vor nach einer Form von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, und es ist wirklich wichtig, in einer Gemeinschaft zu leben, die es uns zugleich ermöglicht, individuell zu sein, nach Erfolg und Spaß zu suchen und uns unserer Arbeit zu widmen. Zugleich fehlt etwas Grundlegendes. Denn es war das Leben in der Gemeinschaft, welches uns den Sinn unseres Lebens gab, die Möglichkeit, die gleichen Ideen und Werte zu teilen. Darin sind sich beide Ideale doch ähnlich.
Vergleichen wir beide Glaubensgrundsätze noch einmal konkret miteinander: Die Ideale der Französischen Revolution sind ja viel konkreter als Gott, der nur ein Begriff ist, eine Idee, eine Entität, deren Existenz wir weder beweisen noch ...
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Opernwelt September/Oktober 2026
Rubrik: Interview, Seite 62
von Jürgen Otten
Ein Klavier ist ein Klavier ist ein Klavier? Weit gefehlt. Schon ein oberflächlicher Vergleich zeigt, wie beträchtlich die Unterschiede zwischen jenen Tasteninstrumenten, die im Barock, in der Klassik und noch in der Romantik verwendet wurden, und einem modernen Konzertflügel sind. Die Musikwelt teilt sich hierbei in zwei Parteien: Die eine frönt dem historisch...
Wenn René Jacobs Oper dirigiert, ist die Überraschung nicht weit. Carl Maria von Webers «Freischütz» präsentierte er mit einem Prolog, den der Librettist Friedrich Kind zunächst vorgesehen hatte, den Weber aber verwarf; bei Georges Bizets «Carmen» wiederum entfiel die berühmte «Habanera», womit Jacobs – angeregt durch die neue Bärenreiter-Ausgabe – der Tatsache...
Vor exakt 170 Jahren weilte Gioacchino Rossini in Bad Wildbad zur Rekreation, seit 1989 betreibt der ehemals mondäne Kurort ihm zu Ehren ein internationales Opernfestival. Mit der Burletta per musica «L’occasione fa il ladro» und dem Melodramma «La gazza ladra» sind dem regieführenden Intendanten Jochen Schönleber heuer zwei schlüssige Inszenierungen gelungen;...
