Tod am Geburtstagstisch
Opern, in denen eine Autohupe und eine Sirene als Instrumente zum Einsatz kommen, haben höchsten Seltenheitswert. Kirchenglocken als Übernahme eines akustischen Alltagsphänomens in die Sphäre der Kunstmusik waren zur Uraufführung von «Il trittico» anno 1918 an der New Yorker Metropolitan Opera allerdings schon etabliert: In Mascagnis «Cavalleria rusticana» sind sie zu hören wie bei Puccini selbst – in seinem mit viel Blut getränkten Verismo-Schocker «Tosca».
Diese deutlich wahrnehmbaren Zutaten aus dem wahren Leben sollten die in der Romantik oft mythologisch wie märchenhaft der Welt enthobene Gattung «Oper» mit der Wirklichkeit versöhnen und dazu auch mit den unschönen, aber als nötig erachteten Mitteln der Drastik kurzschließen. Der fatalistischen Stimmung auf dem Lastkahn des Michele, der auf der Seine südöstlich von Paris schippert, verleiht das Herüberwehen dieses auskomponierten Großstadt-Sounds jedenfalls die Glaubwürdigkeit eines ungeschminkten Lebens: seine Dumpfheit, seine Härte, seine grellen Farben. «Il tabarro», Teil eins von Giacomo Puccinis kontrastprallem Triptychon, steht denn auch in der Tradition des französischen «Grand Guignol», jener schonungslosen ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 19
von Peter Krause
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Der Waldweg nach La Verna ist beschwerlich. 120 Kilometer nördlich von Assisi liegt die Einsiedelei, die der Graf Orlando dei Cattani einst dem Franz von Assisi als Rückzugsort anbot. Die heilige Ruhe dort sei geeignet für die Betrachtung Gottes. Als der heilige Franziskus den Berg besucht, empfängt ihn «eine große Schar Vögel unter fröhlichem Singen und...
Nicht nur stoische Menschen wissen es: Wer sich in Geduld fasst, erträgt die Zumutungen des Lebens umso leichter. Regisseur Dirk Schmeding lässt die Figuren in Puccinis «Il trittico» daher allesamt geduldig warten. Dazu setzt er sie zu Beginn in einen Glaskasten, ein schmuckloser Warteraum mit Wasserspender. Im ersten Teil darf darin sogar geraucht werden, im...
