Tod am Geburtstagstisch
Opern, in denen eine Autohupe und eine Sirene als Instrumente zum Einsatz kommen, haben höchsten Seltenheitswert. Kirchenglocken als Übernahme eines akustischen Alltagsphänomens in die Sphäre der Kunstmusik waren zur Uraufführung von «Il trittico» anno 1918 an der New Yorker Metropolitan Opera allerdings schon etabliert: In Mascagnis «Cavalleria rusticana» sind sie zu hören wie bei Puccini selbst – in seinem mit viel Blut getränkten Verismo-Schocker «Tosca».
Diese deutlich wahrnehmbaren Zutaten aus dem wahren Leben sollten die in der Romantik oft mythologisch wie märchenhaft der Welt enthobene Gattung «Oper» mit der Wirklichkeit versöhnen und dazu auch mit den unschönen, aber als nötig erachteten Mitteln der Drastik kurzschließen. Der fatalistischen Stimmung auf dem Lastkahn des Michele, der auf der Seine südöstlich von Paris schippert, verleiht das Herüberwehen dieses auskomponierten Großstadt-Sounds jedenfalls die Glaubwürdigkeit eines ungeschminkten Lebens: seine Dumpfheit, seine Härte, seine grellen Farben. «Il tabarro», Teil eins von Giacomo Puccinis kontrastprallem Triptychon, steht denn auch in der Tradition des französischen «Grand Guignol», jener schonungslosen ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 19
von Peter Krause
Die Geschichte ist alt. Sehr alt. Wir finden sie in der Bibel, im «Buch der Richter», Kapitel 16. Und schon der Beginn lässt einen erschaudern: Die Geschichte spielt in Gaza, und sie handelt vom Sterben. Simson, von Gott als Nasiräer geweiht, kommt nach Gaza, geht zu einer Dirne und wird dafür von den Menschen dort gehasst. Sie wollen ihn umbringen, doch Simson...
Kann man die Langeweile von dort verbannen, wo sie geboren wurde? Der Parnass war ihre Wiege» – das lässt Jean-Joseph Cassanéa de Mondonvilles Librettist den Gott der Schmähsucht, Momus, gleich im ersten Akt des «Carnaval du Parnasse» fragen. Und damit ist der Startschuss gefallen für einen tollen, die Langeweile vertreibenden Wirbel, in den Götter und Musen in...
Man könnte denken, diese Oper sei soeben erst in Moskau geschrieben und ins Deutsche übersetzt worden, um den in Russland stark verbreiteten Denunziationen zu entgehen. Denn der in Einsamkeit regierende Herrscher, der sich in Viktor Ullmanns «Kaiser von Atlantis» für eine Weile «zum besseren Regieren» zurückgezogen hat, das ist im Grunde Russland. Und der «Krieg...
