Tod am Geburtstagstisch
Opern, in denen eine Autohupe und eine Sirene als Instrumente zum Einsatz kommen, haben höchsten Seltenheitswert. Kirchenglocken als Übernahme eines akustischen Alltagsphänomens in die Sphäre der Kunstmusik waren zur Uraufführung von «Il trittico» anno 1918 an der New Yorker Metropolitan Opera allerdings schon etabliert: In Mascagnis «Cavalleria rusticana» sind sie zu hören wie bei Puccini selbst – in seinem mit viel Blut getränkten Verismo-Schocker «Tosca».
Diese deutlich wahrnehmbaren Zutaten aus dem wahren Leben sollten die in der Romantik oft mythologisch wie märchenhaft der Welt enthobene Gattung «Oper» mit der Wirklichkeit versöhnen und dazu auch mit den unschönen, aber als nötig erachteten Mitteln der Drastik kurzschließen. Der fatalistischen Stimmung auf dem Lastkahn des Michele, der auf der Seine südöstlich von Paris schippert, verleiht das Herüberwehen dieses auskomponierten Großstadt-Sounds jedenfalls die Glaubwürdigkeit eines ungeschminkten Lebens: seine Dumpfheit, seine Härte, seine grellen Farben. «Il tabarro», Teil eins von Giacomo Puccinis kontrastprallem Triptychon, steht denn auch in der Tradition des französischen «Grand Guignol», jener schonungslosen ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 19
von Peter Krause
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Für seine Vermessung der Hölle diente Galileo Galilei die in der «Göttlichen Komödie» geschilderte Reise Dantes in die Unterwelt mit Vergil als Vorlage. Vorausgeeilt war ihnen der mythische Sänger Orpheus aus Thrakien, mit dem erklärten Ziel, die allzu früh verstorbene geliebte Gattin Euridice zu befreien. 20 Jahre nach Galileis Kartografie kombinierten Claudio...
Nach gehörig zackigem Beginn: alles ein großer Seufzer. Die äußeren Umstände, der falsch gedeutete Scheintod der Giulietta, das verzweifelt vorzeitig genommene Gift zum Tode des Romeo, all das ist nur die schnöde Außenwelt eines inneren Dramas, das sich in Bellinis überlangen Bögen abrollt vom ersten Moment an, als Rosa Feola, «in lieta vesta», zur Hochzeit mit dem...
