Wundersamer Wahnsinn
Friedrich Nietzsches früher Text «Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben» hat seine Aktualität keineswegs eingebüßt, sondern gerade für den Kulturbetrieb gewonnen, in dem die Vergangenheit immer mehr die Gegenwart überlagert, der Nostalgie mitunter schier nekrophile Züge beigemischt sind. Dazu gehört, dass der Kult um die großen «runden» Geburts- und Todesjahre seltsam folgenlos wird: Brachte das Mozart-Jahr 1991 noch differenzierte, sogar kritische, produktive Reflexionen hervor, folgte 2006 ein Überangebot, das die Mozart-Rezeption eher dämpfte.
Und 2018 wurde des 200. Todestages von Claude Debussy zwar gedacht, die Resonanz im Musikbetrieb blieb allerdings bescheiden. Gewiss, «Pelléas et Mélisande», seine einzige vollendete Oper, wird oft aufgeführt; doch im Konzertalltag spielt Debussy nicht die Rolle, die ihm gebührt. Vielleicht fehlt seiner Musik das Plakative; auch die Vertrautheit mit französischer Sprache und Kultur nimmt nicht gerade zu. Er ist zum berühmten, doch wenig bekannten Komponisten geworden.
Das Mannheimer Nationaltheater hat nun den Stier bei den Hörnern gepackt, indem es Debussy nicht nur einen ganzen Abend widmete, sondern diesen um ein Fragment ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Als 2006 bei Gallimard Jonathan Littells Roman «Les Bienveillants» erschien, ging ein hörbares Raunen durch die literarische Welt. Nicht nur hatte der amerikanische Schriftsteller das mehr als tausendseitige Werk auf Französisch geschrieben (was ihm den «Prix Goncourt» eintrug), er war zudem so kühn gewesen, eine Art Tatsachenbericht mit fiktionalem Einschlag über...
Der erste Staatsbesuch eines amerikanischen Präsidenten in China – Richard Nixon reiste 1972 zu Mao Tse-tung – war so bedeutend wie die Mondlandung drei Jahre zuvor. Der Regisseur Marco Štorman nimmt diese These am Stuttgarter Opernhaus als Anregung für seine Inszenierung. Er lässt Nixon gleich zu Beginn auf die Bühne heruntersteigen, als komme er aus der...
Frau Margaine, zunächst einmal: herzlichen Glückwunsch!
Wozu?
Sie erwarten ein Baby.
(Lacht) Ja, es ist unglaublich.
Hat diese Aussicht Auswirkungen auf die Art, wie Sie singen oder wie Sie Ihren Beruf sehen?
Natürlich spüre ich, dass der Körper sich verändert. Anfangs hatte ich die üblichen Schwangerschaftssymptome, fühlte mich oft schlapp, war schnell müde usw....
