Wundersamer Wahnsinn

Hommage an Claude Debussy und Edgar Allan Poe: Anna Viebrock baut in Mannheim ihr eigenes Rätsel-«House of Usher»

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Friedrich Nietzsches früher Text «Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben» hat seine Aktualität keineswegs eingebüßt, sondern gerade für den Kulturbetrieb gewonnen, in dem die Vergangenheit immer mehr die Gegenwart überlagert, der Nostalgie mitunter schier nekrophile Züge beigemischt sind. Dazu gehört, dass der Kult um die großen «runden» Geburts- und Todesjahre seltsam folgenlos wird: Brachte das Mozart-Jahr 1991 noch differenzierte, sogar kritische, produktive Reflexionen hervor, folgte 2006 ein Überangebot, das die Mozart-Rezeption eher dämpfte.

Und 2018 wurde des 200. Todestages von Claude Debussy zwar gedacht, die Resonanz im Musikbetrieb blieb allerdings bescheiden. Gewiss, «Pelléas et Mélisande», seine einzige vollendete Oper, wird oft aufgeführt; doch im Konzertalltag spielt Debussy nicht die Rolle, die ihm gebührt. Vielleicht fehlt seiner Musik das Plakative; auch die Vertrautheit mit französischer Sprache und Kultur nimmt nicht gerade zu. Er ist zum berühmten, doch wenig bekannten Komponisten geworden.

Das Mannheimer Nationaltheater hat nun den Stier bei den Hörnern gepackt, indem es Debussy nicht nur einen ganzen Abend widmete, sondern diesen um ein Fragment ...

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Opernwelt Juni 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Gerhard R. Koch

Vergriffen
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