Wunder der Akustik
Ein junger Mann im Orchestergraben hatte die wichtigste unter den vielen stummen Rollen des Abends. Seine Aufgabe bestand darin, die gerade benutzten Seiten der Dirigierpartitur festzuhalten und gegen die Windstöße des Mistral zu verteidigen. Er machte seine Sache gut. Und auch Michel Plasson war die Ruhe selbst: Er hat mehr Produktionen im Amphitheater von Orange geleitet als jeder andere Dirigent. Wann es auf Schutzmanngesten und simple Koordination im Riesenraum ankommt und wann orchestrales Filigran machbar und hörbar ist, das entschied er mit traumwandlerischer Sicherheit.
Ganz abgesehen davon, dass er es fertig brachte, das Orchester blitzartig auf kleine Wunsch-Ritardandi der Sänger einzuschwören.
Orange, das heißt Oper für neuntausend Zuhörer. Man kommt gegen sieben. Da hat es immer noch über dreißig Grad in der Sonne, und die Altstadt ist ein einziges Restaurant. Tische und Stühle füllen fast jeden Quadratmeter der Gassen. Der Verkauf von Sitzkissen läuft prächtig, und die «Hoffmann»-CD, die kostümierte Händler überall anbieten, ist eine kluge Wahl: die Aufnahme mit Gedda unter Cluytens. Ab Viertel nach neun wird die Masse eine halbe Stunde lang per Lautsprecher auf ihre ...
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Wer Robert Dean Smith nicht bei seinem Tristan-Debüt in Bayreuth und auch nicht im Rundfunk erlebte, kann dies nun auf der bei Oehms Classics erschienenen Best-of-CD nachholen. Dass das Vergnügen nicht so ungetrübt ist wie auf der Festspielbühne, liegt einerseits daran, dass sich die Stimme in der Bayreuther Akustik leuchtender entfaltete, dort wie die von James...
Diesmal konnte sich Staatsopern-Intendant Sir Peter nicht mit den Federn einer Münchner Händel-Erstaufführung schmücken, denn schon 1977 wagte sich das Gärtnerplatz-Theater an das Dramma per musica «Alcina». Auch die Inszenierung Christof Loys war bereits vor drei Jahren in Hamburg zu sehen (siehe OW 4/2002). Doch welch ein frischer Zauber wehte durch diese...
Einmal im Jahr steht die Oper splitternackt da. Dann kann sie sich nichts mehr in die Tasche lügen. Wenn der Jahres- bzw. Saisonhaushalt durchkalkuliert wird, regieren blanke Zahlen. Längst ähnelt die Oper einem Wirtschaftsunternehmen. In trüben Zeiten sind Ideen begehrt, wo man wieder ein paar Euros einsparen kann. Oder, umgekehrt, wie man sich noch etwas dazu...
