Problematisches Puzzle
Das Théâtre du Grand Saint-Jean bringt eine Prise Glyndebourne nach Aix. Zwanzig Autominuten vor der Stadt liegt ein idyllisches Landgut, man promeniert unter alten Alleen und kann vor der Aufführung picknicken. Gespielt wird im Innenhof, dessen maroden Charme Ivan Theimer in seine Ausstattung des «Barbiere di Siviglia» einbezieht. Fünf verschiebbare Wände genügen ihm, um die Bühne immer wieder blitzschnell zu ändern. Das szenische Tempo entspricht Rossinis Musik.
Regisseur David Radok überträgt den Motor der Buffa zusätzlich auf einen Bewegungschor: mal hyperaktives, mal schläfriges Dienstpersonal im Hause des Doktor Bartolo, das die Ensembles zur Gruppenchoreografie weitet. Der optische Effekt ist dabei freilich oft lauter als Rossinis akustische Pointen, die Daniele Gatti mit dem Orchester des Teatro Comunale aus Bologna präzise, aber mit angenehmer Dezenz zündet. So erlebt man eine Mischung aus Verdopplung à la Broadway und bunten Rollenpuppen nach Manier der Commedia dell’arte.
Wer sich dabei als Sänger behauptet, muss viel Persönlichkeit mitbringen. Peter Mattei tut dies vor allen anderen. In seinem Barbiere steckt die Erfahrung vieler «Don-Giovanni»-Vorstellungen. Ob er ...
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Dass Salzburg 1982 in Levine/Ponnelles «Zauberflöte» eine «ideale» Aufführung gesehen haben will, erstaunt angesichts dieser Aufnahme. War alles andere damals so schwach, dass solch eine Klassikerpflege als überragend galt? Oder hat der «historische» Mitschnitt den Esprit nicht eingefangen? Neben der statischen Regie und den schleppenden Dialogen stört die Routine...
Eine Mikrofonstimme hatte James King, der in diesem Jahr achtzig Jahre alt wurde, nie. Wer live erlebt hat, wie er etwa die große Szene des Kaisers in Strauss‘ «Frau ohne Schatten» aufbaute und steigern konnte – und zwar steigern im Sinne einer immer intersiver sich im Raum ausbreitenden, unforcierten Klangfülle –, der weiß, dass ein Mikrofon dergleichen nie...
Inwieweit Carl Eberts Mozart-Inszenierungen, mit denen die Festspiele in Glyndebourne in den dreißiger Jahren eingeleitet und schlagartig berühmt wurden, einem kritischen Blick von heute standhalten würden, lässt sich aus Mangel an Filmdokumenten nicht sagen. Doch dass die musikalischen Interpretationen Fritz Buschs über Jahrzehnte ihren maßstäblichen Charakter...
