Wucht und Balsam
Oper als Welttheater, wuchtig-robust, gleichwohl dauernd absturzgefährdet: So etwa wäre Verdis «La forza del destino» zu charakterisieren, ein Werk nah an Kolportage und Kitsch, dennoch und zudem ein immenser Ausblick auf die condition humaine nach Art Victor Hugos – der ungewöhnlich vollmundige Titel, die jäh wechselnden Schauplätze zwischen Adelspalast, Kloster, Schlachtfeld signalisieren es.
Und inmitten des bunten Wirbels die vertraute Verdi-Konstellation des ohnmächtigen Liebespaares zwischen guten und bösen Vaterfiguren und zusätzlich – wie eine Vorahnung islamistischen Konfliktpotenzials – dem rachsüchtigen, traditionalistischen Bruder. In Zürich war diese in Verdis Œuvre ein wenig exterritorial stehende Oper Chefsache. Intendant Andreas Homoki inszenierte selbst; Fabio Luisi beglaubigte die Partitur mit seiner GMD-Autorität. Das ist auch buchstäblich zu verstehen: Luisi zog die dynamischen Kurven gewaltig hoch; bisweilen konnte der Eindruck einer Aufführung für Schwerhörige entstehen (das zierliche Zürcher Opernhaus hat ja nicht die Dimensionen der Met). Reinster Balsam dann aber das verklärte Schluss-Pianissimo in den in himmlischem Lichtgewölk hochschwebenden Streichern. ...
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Der Mörder kommt mit der Axt in der Hand. Furchterregend sieht er aus, der kahlköpfige Lagerinsasse Schischkow, in seinem lang-schwarzen Ledermantel, mit weit aufgerissenen Augen. Ein Abgrund Mensch, vom Teufel besessen, hinabgesunken in das Animalische seiner Existenz. Dabei steht ihm der Sinn jetzt gar nicht nach Gewalt. Schischkow will Zeugnis ablegen von jener...
Hätten sie es vergeigt, das Stück wäre nicht mehr zu retten gewesen. Aber GMD Hermann Bäumer, der mit einem überlauten Wirkungstreffer anfangs Luzifer höchstselbst (Peter Felix Bauer) auf die Bretter schickte, bekam die Klangbalance schnell in den Griff, bevor Vida Miknevičiūtė erschien, die sich dann das Orchester schlicht und ergreifend unterwarf. Einem Fixstern...
Wer hat Lenski auf dem Gewissen? Eigentlich eine Frage, die man gar nicht stellen muss. Sowohl aus der Puschkin-Vorlage als auch aus Tschaikowskys Oper geht schließlich klar hervor, dass Onegin ihn getötet hat. Warum aber fordert Lenski seinen besten Freund überhaupt zum Duell? Sicher nicht, weil er ernsthaft befürchtet, Onegin könnte ihm die Verlobte ausspannen....
