Wucht und Balsam
Oper als Welttheater, wuchtig-robust, gleichwohl dauernd absturzgefährdet: So etwa wäre Verdis «La forza del destino» zu charakterisieren, ein Werk nah an Kolportage und Kitsch, dennoch und zudem ein immenser Ausblick auf die condition humaine nach Art Victor Hugos – der ungewöhnlich vollmundige Titel, die jäh wechselnden Schauplätze zwischen Adelspalast, Kloster, Schlachtfeld signalisieren es.
Und inmitten des bunten Wirbels die vertraute Verdi-Konstellation des ohnmächtigen Liebespaares zwischen guten und bösen Vaterfiguren und zusätzlich – wie eine Vorahnung islamistischen Konfliktpotenzials – dem rachsüchtigen, traditionalistischen Bruder. In Zürich war diese in Verdis Œuvre ein wenig exterritorial stehende Oper Chefsache. Intendant Andreas Homoki inszenierte selbst; Fabio Luisi beglaubigte die Partitur mit seiner GMD-Autorität. Das ist auch buchstäblich zu verstehen: Luisi zog die dynamischen Kurven gewaltig hoch; bisweilen konnte der Eindruck einer Aufführung für Schwerhörige entstehen (das zierliche Zürcher Opernhaus hat ja nicht die Dimensionen der Met). Reinster Balsam dann aber das verklärte Schluss-Pianissimo in den in himmlischem Lichtgewölk hochschwebenden Streichern. ...
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In letzter Zeit bin ich richtig gut drauf. So gut, dass sich meine Familie und Freunde schon ein bisschen wundern. Wahrscheinlich hatten sie damit gerechnet, dass mein Sechzigster mich vollends zum Griesgram machen würde. Aber ich habe sie angenehm überrascht. Doch am Alter liegt’s nicht. Meine Fröhlichkeit rührt daher, dass ich auf Tournee bin.
Nun ist das...
Und dann kommt er. Endlich. Unvermeidlich. Definitiv. Der lang erwartete, unvergessliche Augenblick der Leidenschaft. Mitten im Museum, gerahmt von lauter marmornen Venus-Büsten und kühl-mondänen Sitzschalen (Bühne: Wolfgang Kurima Rauschning). Wohlige Weltsekunde, in der die aparte Gesellschaftsdame und ihr modebewusster Galan einander die Liebe gestehen in...
Der Vorhang fließt zur Seite, und was hören wir? Musik jedenfalls nicht. Nur ein hässliches, elektronisch verstärktes Schaben, verursacht von einem Greis, der im schwarzen Lederanzug an gedeckter Miniaturtafel sitzt und mit höchster Mühe seinen Stuhl zurechtrückt. Verwundern darf diese Quälerei nicht, schließlich ist Hieronymus Makropulos biblische 375 Jahre alt....
