Wucht und Balsam
Oper als Welttheater, wuchtig-robust, gleichwohl dauernd absturzgefährdet: So etwa wäre Verdis «La forza del destino» zu charakterisieren, ein Werk nah an Kolportage und Kitsch, dennoch und zudem ein immenser Ausblick auf die condition humaine nach Art Victor Hugos – der ungewöhnlich vollmundige Titel, die jäh wechselnden Schauplätze zwischen Adelspalast, Kloster, Schlachtfeld signalisieren es.
Und inmitten des bunten Wirbels die vertraute Verdi-Konstellation des ohnmächtigen Liebespaares zwischen guten und bösen Vaterfiguren und zusätzlich – wie eine Vorahnung islamistischen Konfliktpotenzials – dem rachsüchtigen, traditionalistischen Bruder. In Zürich war diese in Verdis Œuvre ein wenig exterritorial stehende Oper Chefsache. Intendant Andreas Homoki inszenierte selbst; Fabio Luisi beglaubigte die Partitur mit seiner GMD-Autorität. Das ist auch buchstäblich zu verstehen: Luisi zog die dynamischen Kurven gewaltig hoch; bisweilen konnte der Eindruck einer Aufführung für Schwerhörige entstehen (das zierliche Zürcher Opernhaus hat ja nicht die Dimensionen der Met). Reinster Balsam dann aber das verklärte Schluss-Pianissimo in den in himmlischem Lichtgewölk hochschwebenden Streichern. ...
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