Flieg, Adler, flieg!
Der Mörder kommt mit der Axt in der Hand. Furchterregend sieht er aus, der kahlköpfige Lagerinsasse Schischkow, in seinem lang-schwarzen Ledermantel, mit weit aufgerissenen Augen. Ein Abgrund Mensch, vom Teufel besessen, hinabgesunken in das Animalische seiner Existenz. Dabei steht ihm der Sinn jetzt gar nicht nach Gewalt. Schischkow will Zeugnis ablegen von jener unheilvollen Tat, die ihn in dieses Totenhaus brachte – der Schlachtung Akulkas.
Und so wandert er wie Rilkes Panther durchs Gehege, schwingt das kalte Beil, sucht nach Fassung, findet keinen Frieden – und ersehnt doch nichts mehr als Befreiung von seinen Seelenqualen.
Leos Janáček hat ihm in seiner letzten Oper eine Musik komponiert, deren expressive Enden – hier die Sonne des kammermusikalischen Lyrismus, dort der Donner des Herb-Dramatischen – Lichtjahre auseinander liegen (und genau so ambivalent auch von Simone Young und dem Bayerischen Staatsorchester ausgestaltet werden); eine Musik, die das Extreme nicht nur sucht, sondern immanent besitzt, so ganz nach dem von Janáček selbst formulierten Credo: «Nicht nur um der Schönheit und der Lieblichkeit willen, sondern um der Lebenswahrheit willen ist der Gesang da; man ...
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Inszeniert in Russland ein Schauspielregisseur eine Oper, geht das meist daneben. Würde der vielgerühmte Konstantin Bogomolov hier eine Ausnahme bilden? Bogomolov ist in den letzten sechs, sieben Jahren zu Moskaus Kultregisseur aufgestiegen, seine provokanten, sozialkritischen Arbeiten am Künstler-Theater begeistern ein breites Publikum. Für Anton Getman, den...
Ambivalente Gefühlswelten der Liebe lotet die französische Sopranistin Sandrine Piau in ihrer neuesten Solo-CD aus, die sie unter dem Titel «Chimère» – (zu deutsch: Hirngespinst, hier vielleicht besser übersetzt mit: schillernde Täuschung) – veröffentlicht hat. Mit ihr beschließt sie ihr Triptychon von Kunstlied-Programmen, das sie – stets an der Seite von Susan...
Die stärkste Stimme kommt ohne Worte aus. Ein oszillierendes Irgendetwas ist aus dieser Partitur zu vernehmen, mit stufenlosen Wechseln der Aggregatzustände, irisierend, so unfassbar wie verlockend. Vor allem aber: gekonnt instrumentiert. In der musikalischen Ausstattung des Ozeans, dem Glück und Verheerung bringenden Protagonisten, fand Detlev Glanert seine...
