Verspätete Apokalypse
Hätten sie es vergeigt, das Stück wäre nicht mehr zu retten gewesen. Aber GMD Hermann Bäumer, der mit einem überlauten Wirkungstreffer anfangs Luzifer höchstselbst (Peter Felix Bauer) auf die Bretter schickte, bekam die Klangbalance schnell in den Griff, bevor Vida Miknevičiūtė erschien, die sich dann das Orchester schlicht und ergreifend unterwarf.
Einem Fixstern gleich phosphoreszierte ihr Auftritt als Große Hure über dieser an Glanzlichtern so reichen Produktion: der deutschen Erstaufführung von Rued Langgaards Mysterienspiel «Antikrist», entstanden zwischen 1920 und 1930, auf einer Bühne erstmals gezeigt 1999, in Innsbruck.
Langgaard hat uns 17 Symphinien mit programmatischen oder philosophischen Titeln hinterlassen, darunter die «Sinfonia interna», ein (fast nie zu hörendes) Hauptwerk des musikalischen Jugendstils. Lange vor György Ligeti schrieb er Sphärenmusik, lange vor Steve Reich Minimal Music. Er gehörte dem theosophischen Orden «Stern des Ostens» an, wütete gegen den atheistisch-materialistischen Zeitgeist und gegen Dänemarks Nationalkomponisten Carl Nielsen, der immer mehr Epigonen um sich scharte, während Langgaard als Organist in einem westjütischen Kaff ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es war Gerard Mortier, der ihn für das Musiktheater gewann. Und das Stück, das der damals, 1982, gerade angetretene neue Intendant der Brüsseler Monnaie-Oper für Karl-Ernst Herrmann und seine Ehefrau Ursel ausgewählt hatte, war Mozarts «Clemenza di Tito». Jenes späte, sinnesprall tragische «Dramma serio», das in seinem psychologischen Tiefgang weit über die...
Oper als Welttheater, wuchtig-robust, gleichwohl dauernd absturzgefährdet: So etwa wäre Verdis «La forza del destino» zu charakterisieren, ein Werk nah an Kolportage und Kitsch, dennoch und zudem ein immenser Ausblick auf die condition humaine nach Art Victor Hugos – der ungewöhnlich vollmundige Titel, die jäh wechselnden Schauplätze zwischen Adelspalast, Kloster,...
Herr Pérez, wie kamen Sie zur Musik?
Ich begann als Autodidakt, als einziger Musiker in der Familie. Mein Vater war Grafikdesigner, meine Mutter Yogalehrerin. Schon im frühesten Alter erkannten meine Eltern, dass ich eine besondere Neigung für klassische Musik hatte. Bevor ich Klavier spielen lernte, konnte ich bereits Noten lesen. In den Buchhandlungen an der...
