Verspätete Apokalypse
Hätten sie es vergeigt, das Stück wäre nicht mehr zu retten gewesen. Aber GMD Hermann Bäumer, der mit einem überlauten Wirkungstreffer anfangs Luzifer höchstselbst (Peter Felix Bauer) auf die Bretter schickte, bekam die Klangbalance schnell in den Griff, bevor Vida Miknevičiūtė erschien, die sich dann das Orchester schlicht und ergreifend unterwarf.
Einem Fixstern gleich phosphoreszierte ihr Auftritt als Große Hure über dieser an Glanzlichtern so reichen Produktion: der deutschen Erstaufführung von Rued Langgaards Mysterienspiel «Antikrist», entstanden zwischen 1920 und 1930, auf einer Bühne erstmals gezeigt 1999, in Innsbruck.
Langgaard hat uns 17 Symphinien mit programmatischen oder philosophischen Titeln hinterlassen, darunter die «Sinfonia interna», ein (fast nie zu hörendes) Hauptwerk des musikalischen Jugendstils. Lange vor György Ligeti schrieb er Sphärenmusik, lange vor Steve Reich Minimal Music. Er gehörte dem theosophischen Orden «Stern des Ostens» an, wütete gegen den atheistisch-materialistischen Zeitgeist und gegen Dänemarks Nationalkomponisten Carl Nielsen, der immer mehr Epigonen um sich scharte, während Langgaard als Organist in einem westjütischen Kaff ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Als Charlotte im «Werther» an der Wiener Staatsoper erinnerte Elīna Garanča vor einigen Jahren an Grace Kelly in «High Society». Und auch nun, in Camille Saint-Saëns’ «Samson et Dalila», mag man schon beim ersten Auftritt der lettischen Mezzosopranistin an die amerikanische Filmaktrice denken. Was die Garanča selbst vermutlich nicht überraschen würde – begegnet...
Wenn man auf meinen Grabstein schriebe Hier ruht Francis Poulenc, der Musiker von Apollinaire und Éluard, so wäre das wohl mein schönster Ehrentitel», hat Poulenc einmal geäußert. Fast die Hälfte seiner 150 Lieder benutzt Texte der beiden großen Lyriker Guillaume Apollinaire (1880-1918) und Paul Éluard (1895-1952). Die Verbindung zwischen Wort und Ton ist dabei so...
Eva-Maria Höckmayr scheint eine Vorliebe für Bühnentote zu haben. Wie schon in ihrer Berliner «Poppea» liegt die Leiche im Halbfeld links; irgendjemand hat ihre Umrisse auf den Boden gemalt. Doch wie es das Wunder will und ebenso die Musik, erhebt sich, kaum ist aus dem Off der unheilvolle Schuss gefallen, der arme Riccardo, während im Graben sein und Amelias...
