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Gemessen an der historischen Bedeutung des Stoffes, komponierte Mozart seinen «Lucio Silla» glatt am Thema vorbei: Statt den heroischen (und nach wie vor außergewöhnlichen) Entschluss des römischen Diktators Lucius Sulla zu würdigen, die Macht zurück in die Hände des Volkes zu legen, interessierte sich der Sechzehnjährige hauptsächlich für diejenigen Personen des Librettos, die seinem eigenen pubertären Gefühlshaushalt offenbar am nächsten kamen: die leidende Giunia, den redlichen Cinna und vor allem den jungen Rebell Cecilio, dem er mit «Il tenero momento» und «Pupille am
ate» auch die beiden schönsten Arien des Werks auf den Leib schrieb. Dass der resignierende Usurpator, dessen charakterliche Wandlung eigentlich die größere musikalische Herausforderung gewesen wäre, in dieser letzten für Italien geschriebenen Mozart-Oper ziemlich hintenüberfällt, liegt allerdings auch in den Komplikationen begründet, die der Mailänder Uraufführung im Dezember 1772 voraufgingen: Weil der ursprünglich mit der Titelrolle betraute Tenor Arcangelo Cortoni krankheitshalber ausfiel und durch den mit begrenzten darstellerischen Kapazitäten ausgestatteten Bassano Morgnoni ersetzt werden musste, ...
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Vielleicht wäre Gustavo Dudamel für «Don Giovanni» doch die bessere Wahl gewesen. Vielleicht hätte der 23-jährige Venezolaner mit seinem jugendlichen Feuer die vertrackte Oper aller Opern zum Knistern gebracht – wie im Oktober vorletzten Jahres in Mailand (siehe OW 12/2006). Vielleicht hätte er sich auch am Pult der Berliner Staatsoper wieder von Mozarts...
Mozarts «Entführung» 1:1 auf die Bühne zu bringen, verbietet sich heute fast von selbst. Das Konfliktpotenzial dieses vermeintlichen «Singspiels» gilt es zu schärfen, sei es durch ironisch-theatralische Doppelung der Sänger (Hans Neuenfels in Stuttgart), die Einführung einer modernen türkischen Erzählerin (Martin Duncan in München) oder Überhöhung zur virtuosen,...
Harfenumrauscht und von Blechbläserchören vergoldet, ziert Engelbert Humperdincks «Hänsel und Gretel» auch in Amerika immer wieder den weihnachtlichen Gabentisch der Opernhäuser. In einem solch gottesfürchtigen Land könnte schließlich nichts besser auf das Fest einstimmen als die finale Versicherung, dass Gott der Herr die Hand uns reicht, wenn die Not aufs...
