Der Griff zur «Flasch’»
Dass ältere Operntexte, speziell solche aus dem 19. Jahrhundert, für heutiges Empfinden eine leichte Patina angesetzt haben, sei unbestritten. Muss man sie deshalb allerdings über weite Strecken gleich neu schreiben? Elke Heidenreich hat es mit ihrer «Bremer Fassung» von Adelheid Wettes Libretto zu Humperdincks «Hänsel und Gretel» versucht – und dem Werk damit keinen guten Dienst erwiesen. Allzu sorglos geht Heidenreich da im Sinne einer vermeintlichen Modernisierung über Vertrautes, Sangbares, Märchenhaft-Geheimnisvolles hinweg.
Bisweilen sogar – was bei dieser Autorin erstaunt – mit der sprachlichen Brechstange.
So wird das feinsinnig auf den Namen des Titelhelden anspielende «hänseln» durch ein nichtssagendes «ärgern» ersetzt, das magische «ein Geheimnis» wird geglättet zum alltäglichen «was Schönes» (wobei sich der Gruppetto, der Doppelschlag, auf «a» sicher besser singen lässt als auf «ö»). Aus dem Besenbinder wird, sehr zeitgemäß zwar, ein Arbeitsloser, aber das kunstvoll durch die Handlung geführte Symbol des Besens erfährt damit eine erhebliche Reduzierung.
Schwer tut sich Heidenreich auch mit einer Problematik, die jedem Übersetzer fremdsprachiger Opernlibretti bekannt ...
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