Wissenschaft und Wahnsinn
War Operette nicht schon immer ein bisschen B-Movie? In ihren besten Fällen hat sie auf diese Weise so manches A-Movie-Musiktheater ganz unkorrekt überholt. Ob das auch für Alexander R. Schweiß’ (Musik) und Lena Reißners (Text) «B-Movie-Pulp-Operette» mit dem Titel «The Bat Bomb!» gilt, muss noch offenbleiben. Der link zum unbestrittenen Meisterwerk der Gattung ist jedenfalls ein fake. Wenn man mal davon absieht, dass fulminante Passagen aus der Ouver -türe zu Johann Strauß’ «Fledermaus» in das Finale des zweiten Akts eingebaut sind.
Durchaus musikalisch eloquent.
Immerhin reüssierte das Fledermaus-Bömbchen schon 2024 an einem Wallfahrtsort der Operette, der damaligen europäischen Kulturhauptstadt Bad Ischl, und wurde dort beim Short Operetta Festival ausgezeichnet. Die deutsche Erstaufführung im Orchestergraben des Theaters Freiburg zeigt: wohl nicht ganz zu Unrecht. Der Stoff ist Operette von der schrägsten Sorte. Aber leider nicht erfunden, die Hauptfigur Dr Lytle S. Adams ist real. Für den Dentisten aus Irwin, Pennsylvania, war eine Fledermaus nur die «lowest form of animal life», und diese Geringschätzung brachte ihn nach Besuchen in den Höhlen des Carlsbad National Parks in ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Alexander Dick
Sucht man nach den sogenannten Schlüsselwerken aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die das Denken über die Gattung wie das Hören selbst nachhaltig verändert haben, kommt man an Bernd Alois Zimmermanns Oper «Die Soldaten» nicht vorbei. Ein megalomanes, mammutgleiches, fast mystisches Stück, maßlos in vielerlei Hinsicht, steht es in der...
Von Walter Benjamin stammt die scharfsinnige, nur bedingt anfechtbare These, Schicksal und Charakter würden einander ausschließen: «Wo das Schicksal herrscht, sei, so der Philosoph, «für Charaktere, die standhalten, kein Platz, und wo sich Charaktere ungebrochen behaupten, bleibt das Schicksal fern.» In den Opern Verdis ist meist Ersteres der Fall, wobei man...
Was das Werk sei? Das Angebot an Deutungsmöglichkeiten ist immens: Für den Komponisten war es zunächst einmal ein «Schmerzenskind, in Kummer und Sorgen während des Krieges vollendet», sodann «die letzte romantische Oper», ganz und gar «unwagnerisch». Sein Textdichter wollte für die «Frau ohne Schatten» eine «aphoristische Ethik» verankern und wählte als Motto einen...
