Feier des Lebens

Das Festival d’Aix-en-Provence hält einige Perlen bereit: Klaus Mäkelä gibt in Barrie Koskys findiger Inszenierung von Strauss’ «Frau ohne Schatten» ein berauschendes Operndebüt, Clément Cogitore entdeckt in Mozarts «Zauberflöte» die Poesie, die Romeo Castelluccis «Requiem» mit den Mitteln des Films weiterführt, Francesco Filidei vertont den Roman «Accabadora»

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Was das Werk sei? Das Angebot an Deutungsmöglichkeiten ist immens: Für den Komponisten war es zunächst einmal ein «Schmerzenskind, in Kummer und Sorgen während des Krieges vollendet», sodann «die letzte romantische Oper», ganz und gar «unwagnerisch». Sein Textdichter wollte für die «Frau ohne Schatten» eine «aphoristische Ethik» verankern und wählte als Motto einen leicht verfälschten Vers Goethes: «Von der Gewalt, die alle Wesen bindet, befreit der Mensch sich, der sie überwindet.

» Auch die Nachfahren konnten sich darauf einen Reim machen: Der große Joachim Herz, dessen ingeniöse Regietaten doch immer im Schatten von Walter Felsenstein standen, bezeichnete Strauss’ und Hofmannsthals Schöpfung als «Hohelied von der Veränderbarkeit des Menschen», der Philosoph Hans Maier setzte noch einen drauf und sah darin gar eine «Parabel vom Überleben der Menschheit». Und Barrie Kosky?

Meißelt das Ganze erstmal metaphorisch in einen riesigen, rechteckigen schwarzen Stein. Michael Levine hat ihm den auf die Bühne gesetzt, als Haube und Schutzschild, als Gefängnismauer und Seelenrahmen und – was das Problem der zahlreichen Lokationswechsel mit einem Schnips beseitigt – als Verwandlungszauberhut, ...

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Opernwelt August 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten

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