Feier des Lebens
Was das Werk sei? Das Angebot an Deutungsmöglichkeiten ist immens: Für den Komponisten war es zunächst einmal ein «Schmerzenskind, in Kummer und Sorgen während des Krieges vollendet», sodann «die letzte romantische Oper», ganz und gar «unwagnerisch». Sein Textdichter wollte für die «Frau ohne Schatten» eine «aphoristische Ethik» verankern und wählte als Motto einen leicht verfälschten Vers Goethes: «Von der Gewalt, die alle Wesen bindet, befreit der Mensch sich, der sie überwindet.
» Auch die Nachfahren konnten sich darauf einen Reim machen: Der große Joachim Herz, dessen ingeniöse Regietaten doch immer im Schatten von Walter Felsenstein standen, bezeichnete Strauss’ und Hofmannsthals Schöpfung als «Hohelied von der Veränderbarkeit des Menschen», der Philosoph Hans Maier setzte noch einen drauf und sah darin gar eine «Parabel vom Überleben der Menschheit». Und Barrie Kosky?
Meißelt das Ganze erstmal metaphorisch in einen riesigen, rechteckigen schwarzen Stein. Michael Levine hat ihm den auf die Bühne gesetzt, als Haube und Schutzschild, als Gefängnismauer und Seelenrahmen und – was das Problem der zahlreichen Lokationswechsel mit einem Schnips beseitigt – als Verwandlungszauberhut, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten
Es ist Juni in Wien, und der Himmel über Kakaniens Kapitale straft die Wirklichkeit Lügen. Kornblumenblau ist er, dabei müssten doch die Götter im Olymp weinen. Die Premiere mit den Einaktern «Lady Magnesia» von Mieczysław Weinberg und «Zweimal Alexander» von Bohuslav Martinů ist die vorerst letzte Produktion der Kammeroper Wien. So haben es die politisch...
Ein Drama ist’s, ein gar schauerliches dazu. Und gleich in der ersten Strophe von Heines Ballade «Ritter Olaf» werden die katastrophischen Dimensionen dessen, was danach geschieht, schon in Umrissen deutlich: «Vor dem Dome stehn zwei Männer, / Tragen beide rote Röcke, / Und der Eine ist der König / Und der Henker ist der andere.» Und die dritte, möchte man...
Von Walter Benjamin stammt die scharfsinnige, nur bedingt anfechtbare These, Schicksal und Charakter würden einander ausschließen: «Wo das Schicksal herrscht, sei, so der Philosoph, «für Charaktere, die standhalten, kein Platz, und wo sich Charaktere ungebrochen behaupten, bleibt das Schicksal fern.» In den Opern Verdis ist meist Ersteres der Fall, wobei man...
