Feier des Lebens
Was das Werk sei? Das Angebot an Deutungsmöglichkeiten ist immens: Für den Komponisten war es zunächst einmal ein «Schmerzenskind, in Kummer und Sorgen während des Krieges vollendet», sodann «die letzte romantische Oper», ganz und gar «unwagnerisch». Sein Textdichter wollte für die «Frau ohne Schatten» eine «aphoristische Ethik» verankern und wählte als Motto einen leicht verfälschten Vers Goethes: «Von der Gewalt, die alle Wesen bindet, befreit der Mensch sich, der sie überwindet.
» Auch die Nachfahren konnten sich darauf einen Reim machen: Der große Joachim Herz, dessen ingeniöse Regietaten doch immer im Schatten von Walter Felsenstein standen, bezeichnete Strauss’ und Hofmannsthals Schöpfung als «Hohelied von der Veränderbarkeit des Menschen», der Philosoph Hans Maier setzte noch einen drauf und sah darin gar eine «Parabel vom Überleben der Menschheit». Und Barrie Kosky?
Meißelt das Ganze erstmal metaphorisch in einen riesigen, rechteckigen schwarzen Stein. Michael Levine hat ihm den auf die Bühne gesetzt, als Haube und Schutzschild, als Gefängnismauer und Seelenrahmen und – was das Problem der zahlreichen Lokationswechsel mit einem Schnips beseitigt – als Verwandlungszauberhut, ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten
arte
02.08. – 18.05 Uhr
Musikalisches Prater-Picknick
Im Sommer 2022 bereicherten die Wiener Symphoniker die frühsommerlichen Attraktionen im Prater um ein neues Open-Air-Format. Das Konzert hatte den Charakter eines musikalischen Familienpicknicks – die Zuschauerinnen und Zuschauer erhielten Decken und Körbe, saßen auf der Wiese und lauschten den Orchesterklängen...
Es war eine lange Nacht, damals, vor 14 Jahren. Oder genauer: ein Tag und eine Nacht. Jedenfalls für all diejenigen, die es durchhielten. Schon der Stoff schien ja in seiner polyvalenten Struktur und schier überbordenden Sprachvirtuosität eher dazu geeignet, auszusteigen. Nur wenige haben David Foster Wallaces Roman «Infinitive Jest», zu Deutsch: «Unendlicher...
Theo Adam hatte einen prächtigen Charakterkopf, der ihn vielleicht auch für Film und Fernsehen prädestiniert hätte. Und tatsächlich hatte er im DDR-Fernsehen seit 1977 bis nahe an dessen (und des zugehörigen Staates) Ende eine eigene Sendereihe, in der er vor prunkvollen Kulissen sowohl prominente Kollegen als auch Nachwuchstalente vorstellte und damit, wie Jan...
