Wir sind systemrelevant
Ich denke, die Opernhäuser und Orchester, aber auch wir Künstler selbst werden drei bittere Lehren aus der durch Corona erzwungenen Spielpause ziehen müssen:
2) Von allen vollmundig von der Politik angekündigten «unbürokratischen» Corona-Hilfen ist im Gegensatz zur freien Wirtschaft bei den freiberuflichen Künstlern bis heute nur ein Bruchteil angekommen, und das, obwohl praktisch allen Solo-Selbstständigen ihre gesamten Einnahmen auf Monate hinaus wegbrechen und dadurch viele von ihnen gezwungen sind, entweder ihre mühsam angesparte Altersversorgung – soweit vorhanden – anzutasten oder Hartz 4 zu beantragen und dafür zum Teil gar noch aufgefordert werden, ihre Instrumente zu verkaufen.
3) Die deutsche Kreativwirtschaft ist mit über 100 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung jährlich der drittgrößte Wirtschaftszweig in Deutschland, ihr «Leuchtturm», unsere weltweit einmalige Theater- und Orchesterlandschaft ist für die Aufnahme in das immaterielle Unesco-Weltkulturerbe nominiert. Während aber andere Branchen ganz schnell und in beeindruckender Geschlossenheit die Politik unter Druck setzten, fehlt uns eine «schlagkräftige» Einigkeit: Durch Corona driften die immer schon zu ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Thema, Seite 38
von Will Humburg
Nachdem der fragwürdige Staatsrechtler Carl Schmitt im Alter seiner Paranoia verfallen war, äußerte er zu einem Bekannten, er müsse seinen berühmten Satz «Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet», den er nach dem Ersten Weltkrieg geschrieben habe, korrigieren. Nun sage er stattdessen: «Souverän ist, wer über die Wellen des Raumes verfügt.»
Das klingt...
Zu Beginn zeichnen die Streicher ein unschuldiges Bibelidyll. Alessandro Stradella legt in der einleitenden Sinfonia seiner frühbarocken Vertonung des «Salome»-Stoffes gleichsam eine falsche Fährte. Schließlich steht bei ihm zunächst ja nicht – wie gut zwei Jahrhunderte später bei Richard Strauss – die im Markus-Evangelium namenlose Tochter der Herodias und deren...
Ein Interruptus, den sich Puccini anders vorgestellt hat. Statt Tosca das Messer zücken zu lassen, um Scarpias Fast-Vergewaltigung zu beenden, schneit Freddy mit einem Song auf den Lippen herein. Und das auch noch aus einem anderen Stück, der Muntermacher stammt aus «My Fair Lady». Ein paarmal passiert so etwas an den beiden Abenden. Eben noch umschmeichelt Ortrud...
