Plurale Identität
Die Oper hat Felix Mendelssohn Bartholdy ein Leben lang beschäftigt. Schon als Kind entwarf er Szenen, die Fragment blieben, aber einen erstaunlich sicheren Umgang mit Stilspezifika des Musiktheaters zeigen. Der Plan einer Lorelei-Oper mit Emanuel Geibel war fortgeschritten und reichte bis in die letzte Lebensmonate. Das Ziel einer großen deutschen Oper hat Mendelssohn immer wieder angesprochen – und es doch nicht erreichen können. So blieb es bei der «Hochzeit des Camacho» des 16-Jährigen. Es ist seine erste und einzige öffentlich zu Lebzeiten gespielte Oper.
Genauer: ein aus Ouvertüre und 18 Nummern bestehendes Singspiel, das von der Forschung kontrovers eingeschätzt wird.
Zu Mendelssohns Opern-Projekten hat Sabine Henze-Döhring in dieser Zeitschrift eine umfangreiche Spurensuche betrieben, die im Jahrbuch 2007 veröffentlicht wurde. Auch im neu erschienenen Mendelssohn-Handbuch wird das Thema diskutiert. Dass es nur vordergründig um die Suche nach einem geeigneten Libretto ging, steht außer Frage. Ebenso, dass Mendelssohn das Desiderat klar erkannt hatte. Im Stil des von ihm hoch geschätzten Weber weiterzumachen, war unmöglich. Dazu hatte sich der Zeitgeschmack zu schnell ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Stephan Mösch
Ganz allein sitzt er da. Einen Tisch, ein Glas Wasser, ein paar fliegende Notizen, den Laptop (sein elektronisches Archiv), eine Leinwand über dem Kopf – mehr braucht Alexander Kluge nicht, um in dem noch abgedunkelten «Elektra»-Raum ein komplettes Zentennium in Schwingung zu versetzen. Ach was, Millennien durchmisst er binnen einer guten Stunde – und die kosmische...
Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der starb, als in Berlin gerade die Cholera ausgebrochen war, hat darauf hingewiesen, dass wir erst mit dem Ende erkennen können, wann und wie etwas begonnen hat. Der österreichische Philosoph Konrad Paul Liessmann sieht darin auch heute eine sinnfällige geschichtsphilosophische Feststellung: «Denn sie zeigt, dass die Einschätzung der...
Michail Glinka war also Antisemit. Und deshalb darf die Berliner U-Bahn-Station «Mohrenstraße» nicht nach der Straße umbenannt werden, in der das Haus liegt, in dem der russische Komponist 1857 starb.
Mit Antisemitismus, Rassismus, Kolonialismus in der Operngeschichte ist es freilich eine vertrackte Sache. In Berlin hält die U-Bahn auch am «Richard-Wagner-Platz»....
