Wünsch Dir was
Ein Interruptus, den sich Puccini anders vorgestellt hat. Statt Tosca das Messer zücken zu lassen, um Scarpias Fast-Vergewaltigung zu beenden, schneit Freddy mit einem Song auf den Lippen herein. Und das auch noch aus einem anderen Stück, der Muntermacher stammt aus «My Fair Lady». Ein paarmal passiert so etwas an den beiden Abenden. Eben noch umschmeichelt Ortrud die ahnungslose Elsa, schon wiegt sich dieselbe Sängerin im Trinklied Orsinis aus «Lucrezia Borgia», während später Professor Higgins Lohengrins Gralserzählung charmant ins Abseits trällert.
Als ob jemand alle guten und schlechten Geister aus Oper und Musical beschwört hat, die sich nun begegnen, umkreisen, beeinflussen, bedingen, so spielt sich «Schwanenflug», eine «Oper von grandioser Ungleichheit» im Saal des Münchner Akademischen Gesangvereins ab.
Eine Schlagerparade, die sich – begleitet nur vom Klavier – zum wunderlich wundersamen Pasticcio fügt. Es ist die Frucht eines Weiterbildungsprogramms, das vom «Werkmünchen» verantwortet wird. Dabei geht es nicht allein um Nachwuchspflege. Das Projekt ist auch Anlaufstelle für Sänger, die vor dem Umbruch stehen – sei es wegen eines Fachwechsels, sei es wegen beruflicher ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Markus Thiel
Ich denke, die Opernhäuser und Orchester, aber auch wir Künstler selbst werden drei bittere Lehren aus der durch Corona erzwungenen Spielpause ziehen müssen:
1) «First in, last out»: Wie inzwischen immer deutlicher wird, sind die Abstands- und Hygiene-Auflagen für uns sehr viel strenger und deutlich inkonsequenter als in anderen Bereichen: Wieso dürfen zum Beispiel...
«Beethoven è incazzato», ruft Riccardo Muti ins Orchester, als er am letzten Probentag den Auftakt zum Finale der «Eroica» gibt. Das Orchestra Giovanile Luigi Cherubini versteht den Maestro und dieses Adjektiv, das in seiner eigenen Giovinezza wohl nicht ganz jugendfrei war, mit «stinksauer» noch milde übersetzt ist, diesem Klangkörper aus den besten...
Musikalischen Bildern der Verrücktheit und des Wahnsinns hat die französische Mezzosopranistin Stéphanie d’Oustrac ihr neues Album gewidmet. Das Außer-sich-Sein und die Liebe liegen in der Kunst wie im Leben nahe beieinander. In einer von La Fontaines Fabeln wird die personifizierte Tollheit, die ihrem Pendant, l’amour, im Streit das Augenlicht geraubt hat, von den...
