«Wir können es nur besser machen»
Die Reaktionen auf die Premiere von «Lohengrin» waren, vom fast erwarteten Buhkonzert des Publikums abgesehen, auch in manchen Kritiken und Leserbriefen auf einem beinahe so aggressiven Niveau, wie man es zu Claus Peymanns Zeiten vom Burgtheater kannte. Auch die Politik hat sich wieder einmal eingemischt.
Tatsache ist, dass ein bisher unbekannter Kultursprecher der im Wiener Landtag vertretenen Freiheitlichen Partei die korrekte Wiedergabe einer Oper von Richard Wagner und die Absetzung des Staatsoperndirektors forderte.
Das ist allerdings eine noch nicht da gewesene Form der Politik.
Das Wiener Publikum wirkt in dieser Hinsicht deutlich konservativer als etwa jenes in London, Paris, Berlin. Dort scheint man toleranter und auch gelassener hinsichtlich kontroverser Produktionen. Sind die Wiener reaktionär?
Nicht grundsätzlich; Gerard Mortier, der bei der Premiere anwesend war, sagte, der Abend hätte in Paris den zweiten Akt nicht ohne Wirbel überlebt. Zwar ist die Bereitschaft, Neues anzunehmen, anderswo sicherlich größer; zwar fehlt hier die Offenheit, die Flexibilität. Das zeigt sich auf allen Gebieten – nicht nur in der Kunst, sondern auch in der Wirtschaft. Doch die Wiener sind ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
So machen’s alle auf den Opernbühnen des 21. Jahrhunderts? Zum Glück nicht! Die klassischen Räume in David McVicars bemerkenswerter «Così fan tutte»-Inszenierung an der Straßburger Rheinoper hatte man ob der Bühnenbildner-Generation der Viebrocks fast schon für nicht mehr möglich gehalten. Doch der Schotte zeigt, wie es auch gehen kann, siedelt die Handlung in...
Die jeweils am 11.11. ausbrechende fünfte Jahreszeit ist im Rheinland dem verordneten Frohsinn geweiht, und das lustige Treiben ergreift die Theater bis ins Ruhrgebiet. Aber das Leichte ist auf der Bühne bekanntlich das Schwerste. Als Jacques Offenbach 1858 in seinen Bouffes-Parisiens die komische Oper «Orphée aux Enfers» herausbrachte, war alles noch einfach. Da...
Barock gleich Pop, diese Formel ist spätestens seit David Aldens Inszenierungen en vogue. Dass neben der Unterhaltungslust tiefe Gedanken von Schuld und Tod den Barockmenschen beherrschten, wird gern außer Acht gelassen. So auch am Staatstheater Braunschweig, wo Andreas Baesler Monteverdis «Krönung der Poppea» inszeniert hat. Denn wo Barock Pop ist, ist Liebe...
