Willkommene Reinspülung
«Opera/Werke», die beim Steirischen Herbst 2005 uraufgeführte mehrtägige «Stadtoper» des Österreichers und Wahlberliners Peter Ablinger, hebt schon im Titel auf die ursprüngliche Bedeutung des Wortes ab und rekurriert gleichzeitig auf die Sparten übergreifende Eigenart des «Gesamtkunstwerks» Oper. Ablinger zerlegt die elementaren Bausteine der Gattung in sieben voneinander unabhängige und dennoch miteinander vernetzte «Akte». Dabei führt er sein Publikum vor allem in neue Erlebnisfelder.
Für die Teile fünf, «Die Bestuhlung», und sechs, «Die Kulisse», bedient er sich etwa der die Alltagswahrnehmung überhöhenden Ästhetik John Cages: Irgendwo in der Stadt, Schauplätze täglich wechselnd, stehen sechs Stuhlreihen zu sechs Sitzen. Oder zwei parallele weiße Wände. Keine Kontrolle, keine Absicht. Jeder hört demokratisch sein eigenes Œuvre, sieht seinen eigenen Ausschnitt.
Ein Projekt für Stadtwanderer. Zum ersten Akt, «Der Gesang» geht es ins «ESC im labor» in der Jakoministraße. Gesang bedeutet hier: akustische Postkartengrüße aus Graz – Verkehrslärm von Straßen, Plätzen und vom Grazer Schlossberg aus, Geräusch-Cluster in Fußgängerzonen und Kneipen, Sportplätzen, Kinder- und Heimgärten. ...
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Umberto Giordanos «La Gioconda» mag in puncto Unglaubwürdigkeit der Handlungsabläufe Verdis «Trovatore» oder «Forza» und so manche Barockoper weit übertreffen, uninszenierbar ist sie keineswegs. Aber zunächst einmal müsste der (Bühnen-)Raum stimmig sein. Schwarzes Gusseisen, venezianische Brückenlandschaften, triste Beleuchtung und Nebelschwaden erzeugen keine...
Vielleicht ist «La forza del destino» – obgleich nach dem spanischen Drama «Don Álvaro, o la fuerza del sino» von 1835 komponiert – Verdis radikalste Shakespeare-Oper: Einheit von Ort und Zeit sind aufgebrochen wie nie im Werk dieses immer wieder nach neuen Lösungen suchenden Komponisten. Dralle, burleske Massenszenen wechseln mit hohem tragischen Ton; inbrünstiges...
Und wieder kein Deutscher dabei! Ein Grund zum Nachdenken, was unsere Ausbildungssituation angeht, doch kein Grund zum Jammern. Die Globalisierung im Opernbetrieb hat Koreaner, Chinesen, Osteuropäer und Südamerikaner an die Weltspitze gestellt, und das nicht zu Unrecht – ein Trend, der sich längst nicht mehr nur in Gütersloh feststellen lässt, wo die...
