Wie in einem Spiegel

Zurück zu den Ursprüngen: Wagners «Rheingold» in Köln und Koblenz

Opernwelt - Logo

Eine Steilvorlage für einen Vergleich bieten zwei neue «Rheingold»-Produktionen. Was sie eint, ist einmal die Tatsache, dass beide in Blickweite genau jenes Stroms stattfinden, auf dessen Grund das mythische Gold lagert. Zudem müssen sowohl die Oper Köln als auch das Theater Koblenz mit den Einschränkungen von Ersatzspielstätten leben. Das Drama von Köln ist hinlänglich bekannt, seit 15 Jahren wird dort am Offenbachplatz gebastelt, nun wurde neulich das Eröffnungdatum im September 2026 benannt.

In Koblenz dagegen saniert man das Stammhaus zwar erst seit dem vergangenen Herbst, doch der ursprüngliche Umzug ins Stammhaus verzögert sich nun doch, so dass ein weiteres Jahr im Zelt gespielt wird.

Was beide «Rheingold»-Versionen zudem vereint, ist die geringe Bühnentiefe, die wenig Raum lässt für aufwändige Bühnenbilder und die Sänger nach vorne zwingt. Aber das Bemerkenswerteste ist: Beide Produktionen kommen ohne expliziten theoretischen Überbau aus. Weder gibt es kapitalismuskritische Setzungen noch eine vergleichbar konsequente Aktualisierung, wie sie Robert Carsen beim letzten Kölner «Ring» präsentierte, als er «Rheingold» als Öko-Thriller erzählte. Sowohl in Koblenz als auch in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Regine Müller

Weitere Beiträge
Mission: Impossible

Giuseppe Verdis «Aida» gilt als Festtagsstück selbst noch unter den großen Extrachor- und Extra-Bläser-Opern. Das hat sie vor die Pyramiden von Gizeh gebracht und bringt sie alljährlich in die Arena von Verona und ohnehin auf Freilichtbühnen aller Art, sofern der Platz und die musikalischen Kräfte reichen. Vor diesem Hintergrund ist es ganz solide, dass sie auch...

Außenseiter

Die Klage eines der Überlebenden ist beredt: «Wir wurden zur störenden Erinnerung.» Augen zu, wegschieben, verdrängen fällt eben so viel leichter als erklären, durchdringen und bewältigen. Doch Letzteres funktioniert nicht, wenn zehn Jahre nach dem schrecklichen Vorfall plötzlich alles wieder präsent ist. In einer Familie, die Normalität spielt, so unbeirrt wie...

Erotisches Verlangen

Die junge französische Sopranistin Margaux Poguet ist eine Multitaskerin, die sich viel zutraut. In der vergangenen Saison debütierte sie als Donna Elvira, Fiordiligi und Vitellia gleich in drei herausfordernden Mozart-Partien. Jetzt legt sie ihr erstes Soloalbum vor – und bewältigt den Spagat zwischen zwei Welten, dem unterkühlten Songstil Weills und der...