Phantastische Bilderwelten

Wagner: Lohengrin MANNHEIM | NATIONALTHEATER

Opernwelt - Logo

Dieser Lohengrin ist eine Lichtgestalt: weißer Anzug, weißes Gesicht, weißes Haar. In der Inszenierung von Roger Vontobel wird er während des Orchestervorspiels in einer Videoprojektion als übermenschliches Wesen kreiert. Zu den Zauberklängen, die Roberto Rizzi Brignoli aus dem Orchestergraben aufsteigen lässt, formen die Videokünstler Clemens Walter und Jonas Dahl aus Wassertropfen, aufwuchernden Pflanzen, Pilzen und menschlichen Gliedern eine weiße Gestalt, die sich machtvoll aus dem Retortenbett erhebt.

Ist Magie, göttlicher Wille oder Trickserei im Spiel? Das lässt die Inszenierung geschickt offen.

Lichtgestalten, die Erlösung verheißen, sind heute kaum weniger gefragt als im epischen Mittelalter. Parallelen zu selbsternannten Heilsbringern und neuen Königen unserer Zeiten ergeben sich wie von selbst. Die Skepsis der Regie gegenüber dem vermeintlichen Erlöser verrät sich bereits in einem Detail: Der strahlende Held hat einen schwarzen Arm. Eine Hand ist verkohlt, der blütenweiße Anzugärmel angesengt. Vontobels Inszenierung spielt in einer Zeit des Umbruchs, in der das Christentum Herrschaft gewonnen hat über die germanische Götterwelt, deren archaische Kräfte untergründig ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Silvia Adler

Weitere Beiträge
Außenseiter

Die Klage eines der Überlebenden ist beredt: «Wir wurden zur störenden Erinnerung.» Augen zu, wegschieben, verdrängen fällt eben so viel leichter als erklären, durchdringen und bewältigen. Doch Letzteres funktioniert nicht, wenn zehn Jahre nach dem schrecklichen Vorfall plötzlich alles wieder präsent ist. In einer Familie, die Normalität spielt, so unbeirrt wie...

Überfällig

Holger Falk und sein Klavierpartner Steffen Schleiermacher haben ihre langjährige diskographische Erkundung von Liedern der franzö -sischen «Groupe des Six» mit dem Louis Durey (1888–1979) gewidmeten neunten Album soeben abgeschlossen. Durey war nur kurze Zeit Anhänger des von Jean Cocteau am Ende des Ersten Weltkriegs gestifteten losen Zusammenschlusses junger...

Tod im Bällebad

Die Kinderstube von Prinz und Prinzessin verrät den Parvenü-Zaren. Statt pädagogisch hochwertigem Holzspielzeug sieht man einen Haufen inflationäres Plastik. Einzelstücke zieren sonst die Kinderzimmer eher bildungsferner Schichten. Die maßlose Häufung im Kreml weist den «Herrscher aller Reußen» als sozialen Aufsteiger und Neureichen von zudem zweifelhafter...