Phantastische Bilderwelten
Dieser Lohengrin ist eine Lichtgestalt: weißer Anzug, weißes Gesicht, weißes Haar. In der Inszenierung von Roger Vontobel wird er während des Orchestervorspiels in einer Videoprojektion als übermenschliches Wesen kreiert. Zu den Zauberklängen, die Roberto Rizzi Brignoli aus dem Orchestergraben aufsteigen lässt, formen die Videokünstler Clemens Walter und Jonas Dahl aus Wassertropfen, aufwuchernden Pflanzen, Pilzen und menschlichen Gliedern eine weiße Gestalt, die sich machtvoll aus dem Retortenbett erhebt.
Ist Magie, göttlicher Wille oder Trickserei im Spiel? Das lässt die Inszenierung geschickt offen.
Lichtgestalten, die Erlösung verheißen, sind heute kaum weniger gefragt als im epischen Mittelalter. Parallelen zu selbsternannten Heilsbringern und neuen Königen unserer Zeiten ergeben sich wie von selbst. Die Skepsis der Regie gegenüber dem vermeintlichen Erlöser verrät sich bereits in einem Detail: Der strahlende Held hat einen schwarzen Arm. Eine Hand ist verkohlt, der blütenweiße Anzugärmel angesengt. Vontobels Inszenierung spielt in einer Zeit des Umbruchs, in der das Christentum Herrschaft gewonnen hat über die germanische Götterwelt, deren archaische Kräfte untergründig ...
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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Silvia Adler
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Remembrance» hat Marcel Brunner sein Debütalbum genannt, das mit Blick auf die gegenwärtige Weltlage Lieder präsentiert, in denen die Schrecken der beiden Weltkriege reflektiert werden. Er erinnert dabei auch an den hochbegabten Rudi Stephan, der 27-jährig bereits im ersten Kriegswinter 1915 an der Front starb. Es sind «ernste Gesänge» in Anlehnung an Brahms’...
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