WIE IN ALTEN ZEITEN
Männer in Unterhosen? Es gibt Erbaulicheres. Andererseits muss ein jeder Casanova, um zu seinem erklärten Ziel zu gelangen, diesen Weg der (Selbst-)Erkenntnis zwangsläufig beschreiten. Auch Don Giovanni, edler Herr mit nicht ganz so edlen Absichten, ist im (hier unsichtbaren) Schlafzimmer von Donna Anna anscheinend gerade so weit vorgedrungen, als das empfindsame Paar empfindlich gestört wird. Und also versucht der Verführer zu fliehen, was wiederum die Tochter des Hauses zu verhindern sucht, indem sie sich an seine langen Beine kettet.
Halb zieht sie ihn, halb sinkt er hin und wird noch in der Nacht zum Mörder, so ist das Leben eben manchmal.
Mit der «Oper aller Opern» verabschiedet sich Magdeburgs zum Ende der Spielzeit scheidende Intendantin Karen Stone als Regisseurin aus der Elbe-Stadt. Und sie tut es – auf der zeitlos-abstrakten, unterschiedliche Räume situierenden Drehbühne von Ausstatter Ulrich Schulz – mit einem Augenzwinkern. Die Liebe, ach ja, das ist ein weites Feld, und der Titelheld in Mozarts Dramma giocoso auch nur ein Mann. Wiewohl: ein stattlicher. Martin-Jan Nijhof, der die Partie fabelhaft singt, mit sehr guter Deklamation, flinker Artikulation und kraftvollem ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Jürgen Otten
Fachwechsel
Seine Händel-Interpretationen sind Legende. Doch nicht nur die. Philippe Jaroussky hat zahllose Werke des Barock mit seinem ätherischen, durchdringend hellen, silbrig schimmernden Countertenor belebt. Jetzt wagt er den Gang von der Bühne ans Pult. Am Pariser Théâtre des Champs-Élysées dirigiert Jaroussky ein Bühnenwerk, dessen Titelfigur er wohl noch im...
Die Holländische Straße in Kassel ist nicht unbedingt das, was man eine schicke Flaniermeile nennen würde. Prosaische Nachkriegsarchitektur dominiert, die vorherrschende Farbe ist mattes Grau, Geschäfte und Wohnhäuser reihen sich schmucklos aneinander. Eine typische Ausfallschneise eben, ohne Flair, ohne Charme. Im April 2006 erlangte diese Straße traurige...
Wenige (W)Orte sind derart hoch und vielfältig semantisch orchestriert, stehen für so heterogene, disparate Deutungen, haben so grundverschiedene künstlerische Ausprägungen erfahren wie der Topos «Babylon». Wobei vieles hochtönendes Bildungsinventar bleibt. Eine leibhaftige Erfahrung ist erinnerlich: Im Bruegel-Saal des Wiener Kunsthistorischen Museums trafen sich...
