Wie Barocktheater aussehen kann
Die Beschäftigung mit historischen Formen der Aufführungspraxis ist seit zweihundert Jahren Gegenstand zunächst der Theatergeschichtsschreibung und Theaterwissenschaft wie gleichzeitig ihrer musikalischen Pendants. Anders als ihren von Noten lebenden Schwestern fehlten der Theaterpraxis aber ein Gustav Leonhardt und Nikolaus Harnoncourt, die die Theorie allen Unkenrufen und allem Spott zum Trotz konsequent in die Praxis umsetzten. In der Musik hat sich die Historische Aufführungspraxis mittlerweile durchgesetzt und zwingt heute sogar Mainstream-Musiker umzudenken.
Die Historische Aufführungspraxis des Theaters macht dagegen gerade jene Kinderkrankheiten durch, an denen die der Musik in den fünfziger Jahren laborierte: Sie ist ein von der Mehrheit belächeltes Nischenprodukt, eine skurrile Marotte einiger Eigenbrötler, die linkisch versuchen, vollkommen fremde Arten des Gehens, Sprechens, Gestikulierens auf bekannte Texte anzuwenden.
Der Pariser Theorbist Vincent Dumestre, Leiter des warmtönenden Barock-Ensembles Le Poème Harmonique, betont denn auch, dass es in seiner teilweise fulminanten, in vielem aber auch hölzernen Annäherung an die barocke Theaterpraxis der ...
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