Iphigenies Axt
Schwierig, diese Mythen. Wollen uns Nachgeborenen immer gleich die ganze Welt erzählen, verschweigen, verwirren. Deuten an, damit wir, die Ausdeuter, deutlich werden können – so wir wollen. Denn natürlich kann man sich naiv stellen, einen Mythos einfach abbilden, sich dann in seiner Verwirrtheit zurücklehnen; sollen andere sich bemühen, sich kümmern, sollen sie sehen, was sie damit anfangen können.
Oder: Man gibt sich versöhnlich, übergibt die Verantwortung dem Deus ex Machina, er wird es schon richten, die Versammelten ans Licht führen; lieto fine heißt der schmucke, bildungsbürgerliche Ausdruck. Und welche Gattung ließe sich besser einkleiden mit einem solchen liebreizenden Ende als die der Affirmation zuneigende Oper des Barock?
Händels Pasticcio «Orest», zusammengeflickt aus sage und schreibe neun Opern des Meisters, mit einem Libretto von Giovanni Gualberto Barlocci versehen und im Dezember 1734 zu London uraufgeführt, macht da eine kleine, erstaunliche Ausnahme. Nichts ist es mit dem behaglichen Ende, mit dem Sonnenstrahl, der alles und alle blendet. Nein, dieses Opernfragment nimmt sich qua Titelfigur jenen Iphigenie-Stoff vor, der den Mörder als Mörder belässt: Orest ...
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