Historische Lektion
Mit einer Vorstellungsdauer von über vier Stunden ist «Lotario», Hauptattraktion der 29. Händel-Festspiele, selbst für eingefuchste Händel-Fans ein ziemlich harter Brocken. Wie offenbar auch schon im Uraufführungsjahr 1729 in London. Nummer sechsundzwanzig (von insgesamt fünfundvierzig) der Opern Händels, stellt das Dramma per musica in tre atti nach einem Libretto von Antonio Salvi bereits mit dem Titel eine Irreführung des Publikums dar. Denn Lotario ist in Wirklichkeit der deutsche Kaiser Otto I.
Bloß weil bereits eine Oper namens «Ottone» von Händel existierte, musste ein anderer Titel her. Lotario/Ottone eilt also um 950 der von Usurpator Berengario (und seiner machtgeilen Gemahlin Matilde) bedrängten Königin-Witwe Adelaide in Pavia zu Hilfe und besiegt den Schurken, verzeiht dem bösen Paar und verheiratet dessen weichherzigen Sohn Idelberto mit Adelaide. Für ein Happy End ist also gesorgt, und alle sechs Beteiligten (es gibt noch einen Hauptmann namens Clodomiro) können in den A-Dur-Schlusschor einstimmen «Gioje e serto dona al merto», nachdem unmittelbar zuvor Adelaide und Lotario in strahlendem E-Dur duettierend das Hohelied der Liebe gesungen haben (ein etwas ...
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