Wichtige Wiederentdeckungen der Saison 25/26
«Verrückt und tiefgründig zugleich war das Projekt zweier Mittzwanziger, die sich 1959 in Wien trafen und schon nach wenigen Wochen mit einem fieberhaft vorange triebenen Werk einen opernhaft-phantastischen Coup landen wollten, in einem durch die ‹Literaturoper› zäh dominierten Umfeld: der hochbegabte Karajan-Assistent Peter Ronnefeld und der gerade als Dramaturg an die Wiener Staatsoper engagierte Richard Bletschacher. Literatur auch hier: die Phantastik E. T. A. Hoffmanns und das absurde Theater Eugène Ionescos».
So charakterisierte Klaus Heinrich Kohrs «Die Ameise» von Peter Ronnefeld. Die Oper Bonn hat das wilde Stück des frühverstorbenen Tausendsassas nun wieder auf die Bühne gebracht, in einer kongenialen Inszenierung Kateryna Sokolovas. «Ronnefeld und Bletschacher entfachen einen szenischen und musikalischen Wirbel, der alles ausschöpft, was die Gattung zu bieten hat: Koloraturarien, Chornummern, Ensembles, aber auch Zwölftontechnik». (OW 2/2026)
Antonia Bembos Oper L’Ercole amante, 1707 komponiert, wurde konzertant 2023, szenisch erst 2025 uraufgeführt. «Erklärt sich dieser Verzug womöglich dadurch, dass die Autorin dem sogenannten schwachen Geschlecht angehörte, dessen ...
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Opernwelt Jahrbuch 2026
Rubrik: Bilanz des Jahres, Seite 74
von
Meine Damen und Herren, ein Gespenst geht um in Europa. Doch es ist, horribile dictu, nicht der Kommunismus. Es ist das von konservativen Kreisen stark kritisierte Regietheater. Ist dieses Gespenst in Zeiten der allgemeinen Restauration als ästhetisches Korrektiv vielleicht sogar wichtiger als je zuvor?
Tatjana Gürbaca: Zunächst ist ja schon der Begriff...
Alle Kunst, so hat es der marxistisch-humoristische Denker und Dramatiker Peter Hacks einmal zu Protokoll gegeben, sei in lausigen Zeiten. Doch die Frage sei nicht, was Kunst in lausigen Zeiten mache, sondern was sie in Zeiten der Verzweiflung unternehme: «Was geht, wenn nichts geht?» Hacks meinte das so konkret, wie es hier steht. Für ihn war Kunst immer...
Herr Müller, hat Sie das Kritiker-Votum überrascht?
Wir waren absolut überrascht und sind immer noch begeistert. Schließlich sind wir unter den Mehrspartenhäusern in den alten Bundesländern das kleinste, jedenfalls, was die Zahl der Mitarbeitenden betrifft.
Was heißt das in concreto?
Hier arbeiten insgesamt etwa 390 Menschen in allen Sparten – und dazu zählen wir...
