Wer, wo, wie und warum?
Rechtzeitig zum Amtsantritt von Jossi Wieler als Intendant der Oper Stuttgart sind zwei Bücher über den Schweizer Regisseur erschienen. Obwohl reichhaltig illustriert, lebt der von Hajo Kurzenberger herausgegebene Band doch von den Texten. Kurzenberger charakterisiert Wieler gleich eingangs als Teamplayer, als «besonderen Liebhaber der Menschen, mit denen er umgeht und arbeitet».
Er nähert sich dem «Menschenergründer und Wahrheitssucher» zunächst über die biografischen Stationen, in deren Abfolge er freilich von Anfang an Reflexionen über die Ästhetik von Wielers Theaterarbeit und ihrer Wirkung einstreut. Kennzeichnend schon für die frühen, in Heidelberg, Stuttgart und Basel entstandenen Schauspielinszenierungen ist eine Radikalität des Fragens und Suchens – Wieler selbst spricht von «Archäologie betreiben» –, die die nicht verbalisierte Innenwelt von Texten und Figuren freilegt und dabei Verdrängtes und Tabuisiertes ans Licht bringt.
Kurzenberger beschreibt dieses «szenische Erinnern» (wie er es nennt), dieses Abtragen von Schichten, das in seiner Differenziertheit, Genauigkeit und körperlichen Umsetzung weit über das gängige Psychologisieren hinausweist, am Beispiel von vier ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Medien/Bücher, Seite 34
von Uwe Schweikert
Die Wände sind beschmiert mit Kunst, eine freizügige Gesellschaft schart sich um die Wirtin Nastassja: Anarchisten, Literaten, Lebenskünstler, Kiffer, zwei Nackte und ein Eisbär. In einem melancholischen Lied besingt Nastassja Mütterchen Wolga und das weite Land, das ihr (und den russischen Zeitgenossen von 1887) eine Freiheit symbolisiert, die unter dem...
Das «Opernhaus des Jahres» hat sich zum Saisonstart etwas einfallen lassen: George Enescus
«Œdipe» ist ein aufwändiges Stück, das seine Zuschauer und Zuhörer keinesfalls sofort umarmt. Entsprechend selten sind die Aufführungen. La Monnaie in Brüssel wagt eine Neuproduktion. Seltene Koinzidenz in Baden-Württemberg: In Karlsruhe und Stuttgart sind mit dieser Spielzeit...
Sicher, Verdis effetto ist da. Aber es ist doch ein recht manierlicher Sturm, der da durchs Zürcher Opernhaus tobt. Unsere Nachmittagsvorstellung des «Otello» nimmt erst allmählich Fahrt auf, dann jedoch gewaltig. Daniele Gatti, Chefdirigent für überschaubare drei Jahre, scheint sich immer mehr zu entfalten. Ist die Intrigenmine erst mal losgetreten, wird Giuseppe...
