Sommernachts(alp)traum
Die Wände sind beschmiert mit Kunst, eine freizügige Gesellschaft schart sich um die Wirtin Nastassja: Anarchisten, Literaten, Lebenskünstler, Kiffer, zwei Nackte und ein Eisbär. In einem melancholischen Lied besingt Nastassja Mütterchen Wolga und das weite Land, das ihr (und den russischen Zeitgenossen von 1887) eine Freiheit symbolisiert, die unter dem repressiven Regime Alexanders III. mit Stiefeln getreten wurde.
Da aber die zaristische Zensur stets auf der Lauer war, verlegten Peter Tschaikowsky und sein Librettist, der Dramatiker Ippolit Schpaschinski, ihre Oper «Tscharodejka» («Die Zauberin») ins Nischni Nowgorod des 15. Jahrhunderts – eine kosmetische Maßnahme, welche die politische Brisanz des Stücks kaum kaschieren konnte.
«Tscharodejka» ist das letzte Teilstück eines Triptychons von Tschaikowsky-Opern, die von Tatjana Gürbaca an der Flämischen Oper Antwerpen/Gent inszeniert wurden. Und nach der großartigen Produktion des «Mazeppa» im Jahr 2009 erleben wir zum zweiten Mal ein wenig gespieltes Bühnenwerk, in dem Tschaikowsky ein Kapitel russischer Geschichte als Spiegel seiner eigenen Gegenwart aufschlug. Dass er dies nicht im Stile von Mussorgsky tat, versteht sich von ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Michael Struck-Schloen
Mit Gender-Crossing und Wikingermythos eine schwedische Nationaloper im Stil Wagners schaffen. Kein geringeres Ziel hatte sich der Schwede Wilhelm Stenhammar gesetzt, als er 1898 mit «Tirfing» sein zweites Werk für die Bühne komponierte. Doch der 27-Jährige hatte sich verschätzt: Die Oper fiel durch. Gerade 17-mal wurde «Tirfing» bis 1901 gegeben, um danach in der...
Wenigstens einmal im Leben wollte sie auf die Marathonstrecke. Wie sich ein Frauenautomat anfühlt, das hat Diana Damrau zwar vor zwölf Jahren schon einmal in Mannheim ausprobiert. Doch Olympia und Antonia und Giulietta und Stella, dieses Viererpack schulterte der Weltstar aus Günzburg nun erstmals an der Bayerischen Staatsoper. Kein Fall für die Regie-, wohl aber...
Gleich sein erster Fall, «Venezianisches Finale», führte Commissario Brunetti in die Oper, womit seine Schöpferin Donna Leon sich a priori als Liebhaberin dieses Genres outete. Bei diesem im legendären Fenice angesiedelten Plot ging es freilich um eine Aufführung von Verdis «La traviata», während die Spezialität der Leon eigentlich Händel ist. So kommt sie denn...
