Wenn Räume singen
Nicht alles war grausam im Theater von Antonín Artaud. Auch die (klingende) Poesie besaß dort einen Sitzplatz, vielleicht versteckt in einem Winkel der oberen Ränge, aber doch deutlich spürbar. Beleg ist jene Sentenz des französischen Schauspielers, Dramatikers und Theoretikers, mit dem er die Faszination und Magie der Darstellenden Künste, die an diesem Ort waltet, beschreibt: «Das Geheimnis des Theaters im Raum ist die Dissonanz, die Staffelung der Klang -farben und die dialektische Entfesselung des Ausdrucks.
» Nicht von ungefähr stellt Margarethe Maierhofer-Lischka diesen Gedanken an den Anfang ihres Buches mit dem nicht minder poetischen Titel «Ich höre die Steine, sehe den Klang und lese das Wasser», in dem sie sich mit «Inszenierungen von Wahrnehmung im zeitgenössischen Hör-Musiktheater» beschäftigt.
Vor allem um das Phänomen der «Wahrnehmung» geht es. Darum, wie man die Welt hört, wie man ihrer durch das Hören habhaft werden, sie sich aneignen, schließlich sogar mit ihr verschmelzen kann. Und welche Rolle dem einzelnen Kunstwerk zukommt. Ziel ihrer umfangreichen Studie sei es, so Maierhofer-Lischka, «mithilfe einer interdisziplinären Methodik ein neues Musiktheater -format ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2026
Rubrik: Medien, Seite 48
von Virginie Germstein
Abschiede schmerzen. Besonders dann, wenn es sich bei der abschweifenden Person um die Angebetete handelt, mit der man noch wenige Minuten zuvor traulichvertraut beieinanderlag. Dem Titelhelden von Händels «Rinaldo» ist das Missgeschick, ausgelöst durch Armidas rustikales Eingreifen, widerfahren, Almirena (für immer und ewig?) aus seinem Gesichtskreis entschwunden....
Uraufgeführt wurde Gabriela Lena Franks bewundernswertes Werk «El Último Sueño de Frida y Diego» (Der letzte Traum von Frida und Diego) 2022. In Lorena Mazas farbenfroher, visuell mitreißender Inszenierung war das Stück in drei kalifornischen Städten und in Chicago zu sehen. Nun durch Deborah Colker die Neuinszenierung an der Met.
Auch wenn Nilo Cruz’ zuweilen...
Es war eine lange Nacht, damals, vor 14 Jahren. Oder genauer: ein Tag und eine Nacht. Jedenfalls für all diejenigen, die es durchhielten. Schon der Stoff schien ja in seiner polyvalenten Struktur und schier überbordenden Sprachvirtuosität eher dazu geeignet, auszusteigen. Nur wenige haben David Foster Wallaces Roman «Infinitive Jest», zu Deutsch: «Unendlicher...
