Zauber ohne Tricks
Die Zauberin bedarf keines illusionistischen Blendwerks. Keiner üppig wuchernden Zauberinsel, keines Tricks, abgelegte Liebhaber in Tiere zu verwandeln. Alcina selbst ist der Zauber. Ihre Magie leitet sich aus der gewinnenden Offenheit ihres Liebens, der Echtheit ihrer Empfindungen, der Leichtigkeit und Anmut ihres Seins her. Die Zauberin erschuf eine Welt, deren sensualistisch durchpulste Friedsamkeit freilich nicht von Dauer ist. Womöglich gar nicht sein kann.
Der Regisseur Felix Schrödinger fragt angesichts solcher Vergänglichkeit weder nach Schuld oder Unschuld noch nach Gut oder Böse. Moral bleibt außen vor. Alcina und ihre Insel behalten Gültigkeit, obschon sich Liebhaber Ruggiero letztlich gegen die Zauberin entscheidet. In Detmold braucht es zu diesem Verdikt keines Gegenzaubers durch den von Melisso dargereichten, das Eiland samt seiner Reize als Schreckensort vorgaukelnden Ring. Die Macht gesellschaftlicher Konvention in Gestalt des Intimus, der sitzengelassenen Verlobten und ihres Bruders reicht völlig hin. Schrödinger nimmt diesen Rückzug ins Herkömmliche sine ira et studio zur Kenntnis. Sein Mitempfinden gehört vielmehr der die weite Spanne zwischen der anfänglichen ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Panorama, Seite 69
von Michael Kaminski
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