Wenn ein Italiener von Deutschland träumt
Mit Alberto Franchettis «Germania» wollte Kirsten Harms ein Zeichen setzen, wohin es künstlerisch in den nächsten fünf Jahren an der Deutschen Oper Berlin gehen soll. Sechs große Premieren pro Spielzeit sind geplant, darunter je zwei Ausgrabungen. Die «Wiederentdeckungs»-Reihe wird als eine der Repertoire-Säulen dem Haus unverwechselbares Profil geben – neben einem Strauss-Zyklus, Wagner und großer italienischer Oper. Wie ernst die Intendantin und ihr Chefdramaturg Andreas K. W.
Meyer den Begriff «Ausgrabung» nehmen, zeigt der Umstand, dass sie Jacques Offenbachs ursprünglich ins Auge gefasste «Rheinnixen» wieder fallen ließen, als sich abzeichnete, dass sich auch andere Bühnen für die auf CD greifbare Deutschland-Oper interessieren. An der Bismarckstraße will man nicht selten gespielte Werke nachinszenieren, sondern – wenn schon, denn schon – «Meisterwerke», wie Harms betont, ins Gespräch bringen, die man sonst nirgendwo hören kann. Und zwar, der Größe des Hauses entsprechend, vornehmlich aus Spätromantik und Expressionismus.
Ein tollkühnes Unterfangen angesichts der notorischen Unterfinanzierung der Berliner Opernstiftung, die die Künstlerischen Leiter zwingt, Visionen durch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Er hat es schon eine Nummer kleiner probiert. 1992 zum Beispiel, als er für acht Tage Frontleute aus Klassik und Pop zusammenholte. Gidon Kremer und Philip Glass, Laurie Anderson und Lou Reed spielten damals im Münchner Gasteig auf. Das «Art Projekt» entzückte alle, die beteiligten Musiker, das Publikum, die Rezensenten. Bloß den Produzenten «brachte es fast um»....
Detlev Glanerts neue Oper «Caligula» will nicht nur ins Innerste treffen – sie kommt auch daher. Zumindest war das der aufregende Plan des Komponisten: dass alle Klänge in Kopf und Körper eines verzweifelten, halb wahnsinnigen Menschen entstehen. Dass sie ihn innerlich balsamieren wie ein letztes Erinnern an Schönheit oder ihm unerträgliche Schmerzen bereiten –...
«Zu behaupten, dass man heute Musik schreiben kann, die nicht den Zustand von Verheerung widerspiegelt, dem die Menschen im Spätkapitalismus unterworfen sind, heißt, Musik mit Scheuklappen schreiben, um es vorsichtig zu sagen», bemerkte Hans Werner Henze 1969 in «Musik ist nolens volens politisch». Später freilich relativierte er diese Behauptung, doch die...
