Erhabene Archaik
Dass in der Opera seria am Ende noch alles im gleichsam industriell gefertigten «lieto fine» zum Guten gewendet werden muss, ja, das kennt man. Aber mit so einem marginalen barocken Tanzschnipsel, wie er Reinhard Keisers «Arsinoë» abschließt, rechnet dann doch keiner. Konvention erfüllt, Oper spielbar, scheint uns der Komponist zuzuraunen. «Was’n das für’n Schluss?», fragt einer der Sänger in die Runde, und die Überraschung des Publikums im Haus der Berliner Festspiele löst sich in Heiterkeit und Applaus auf.
Das ist der Ausklang dieser Oper des Hamburgischen Händel-Rivalen, mit der die Berliner Kammeroper das Festival zu ihrem fünfundzwanzigjährigen Bestehen einläutete.
Für ein Opernpublikum, das sich in Musik, Rhetorik und Dramaturgie der Barockoper vor allem via Händel und Monteverdi zurechtfindet, bietet «Arsinoë» im Übrigen noch einiges an Ungewohntheiten. Zunächst mal: jede Menge Blockflöten. Gleich in der ersten Arie, in einer musikalischen Figur ohne Basso continuo, bilden sie den Freiheitswillen der Vögel ab und den der cyrenischen Herrscherin Arsinoë, die sich nicht dem Willen ihres verstorbenen Gatten fügen will und die eigene Staatsräson darin sieht, ihre Tochter ...
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Er hat es schon eine Nummer kleiner probiert. 1992 zum Beispiel, als er für acht Tage Frontleute aus Klassik und Pop zusammenholte. Gidon Kremer und Philip Glass, Laurie Anderson und Lou Reed spielten damals im Münchner Gasteig auf. Das «Art Projekt» entzückte alle, die beteiligten Musiker, das Publikum, die Rezensenten. Bloß den Produzenten «brachte es fast um»....
Der Opernkomponist Nikolai Rimsky-Korsakow muss zumindest hierzulande immer noch abbüßen, dass er den Werken seines genialeren Jugendfreundes Mussorgsky mit geschönter Instrumentation meinte aufhelfen zu müssen. Dabei hat Rimsky durchaus Eigenes zu bieten, so die in jüngster Zeit mehrfach gespielte antizaristische Märchensatire «Der goldene Hahn» oder die jetzt...
Im Osten Schären, die sich ins Meer neigen. Im Westen Steilklippen, in denen Vögel brüten. Dazwischen Grasdächer und knallbunte Holzhäuser. Die Faröer im Nordatlantik, auf halbem Weg zwischen Norwegen und Island, haben alle dieselbe topografische Signatur. Achtzehn Inseln sind es, baumlos, geprägt von bizarren Formationen aus Vulkangestein. Siebzehn davon sind...
