Erhabene Archaik

Die Berliner Kammeroper eröffnet ihr Jubliäums-Festival mit einer unbekannten deutschen Barockoper: Keisers «Arsinoë»

Opernwelt - Logo

Dass in der Opera seria am Ende noch alles im gleichsam industriell gefertigten «lieto fine» zum Guten gewendet werden muss, ja, das kennt man. Aber mit so einem marginalen barocken Tanzschnipsel, wie er Reinhard Keisers «Arsinoë» abschließt, rechnet dann doch keiner. Konvention erfüllt, Oper spielbar, scheint uns der Komponist zuzuraunen. «Was’n das für’n Schluss?», fragt einer der Sänger in die Runde, und die Überraschung des Publikums im Haus der Berliner Festspiele löst sich in Heiterkeit und Applaus auf.

Das ist der Ausklang dieser Oper des Hamburgischen Händel-Rivalen, mit der die Berliner Kammer­oper das Festival zu ihrem fünfundzwanzigjährigen Bestehen einläutete.
Für ein Opernpublikum, das sich in Musik, Rhetorik und Dramaturgie der Barockoper vor allem via Händel und Monteverdi zurechtfindet, bietet «Arsinoë» im Übrigen noch einiges an Ungewohntheiten. Zunächst mal: jede Menge Blockflöten. Gleich in der ersten Arie, in einer musikalischen Figur ohne Basso continuo, bilden sie den Freiheitswillen der Vögel ab und den der cyrenischen Herrscherin Arsinoë, die sich nicht dem Willen ihres verstorbenen Gatten fügen will und die eigene Staatsräson darin sieht, ihre Tochter ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2006
Rubrik: Magazin, Seite 25
von Matthias Nöther

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der Liebestrank des Mr. Bean

Der Direktor der Wiener Staatsoper Ioan Holender sei so autark, dass es ihm egal sein könne, wer unter ihm österreichischer Kanzler ist, meinte einmal ein Kommentator. Mag sein. Oder auch nicht. Auf jeden Fall ist Holender stets streitbar, wenn es um die Belange seines Hauses geht. So hatte er im Vorjahr im Zusammenhang mit der geplanten Übertragung von «Elisir...

Frühlingserwachen

Im Osten Schären, die sich ins Meer neigen. Im Westen Steilklippen, in denen Vögel brüten. Dazwischen Grasdächer und knallbunte Holzhäuser. Die Faröer im Nordatlantik, auf halbem Weg zwischen Norwegen und Island, haben alle dieselbe topografische Signatur. Achtzehn Inseln sind es, baumlos, geprägt von bizarren Formationen aus Vulkangestein. Siebzehn davon sind...

Oper, wie das Leben so spielt

In der Oper geht es zu wie im wirklichen Leben: Die meisten lügen, dass sich die Balken biegen, die wichtigen Dinge geschehen hinter den Kulissen, wer Dreck am Stecken hat, verbirgt den Stecken, und die Intriganten handeln ganz selbstlos in höherem Interesse.
Der Berliner Staatsopernintendant Peter Mussbach hat das in seiner Mailänder «Don Giovanni»-Inszenierung,...