Wenn das Licht klingt
Eine verwegene These? Die Berliner Philharmoniker sind kein gutes Opernorchester – weil sie ein zu gutes sind. Wenn den Musikern und Simon Rattle eine so hellsichtige, geistsprühende Interpretation gelingt wie bei den diesjährigen Salzburger Osterfestspielen, sprengen sie das Gesamtkunstwerk Oper. Was da bei Benjamin Brittens «Peter Grimes» an elektrisierender Spannung aus dem Graben zu hören war, ließ alles Übrige verblassen, die Solisten, die Regie, ja selbst das filmreife Bühnenbild.
Hier ist ein Orchester zu erleben, das nach dem Generationswechsel der letzten Dekade vorwiegend aus jungen Menschen besteht, die nicht nur ihre Instrumente virtuos beherrschen, sondern die auch mit ihrem feuerköpfigen Chefdirigenten ästhetisch im 21. Jahrhundert angekommen sind, bereit, alles zu wagen, sich jeden Stil mit atemberaubender Flexibilität anzueignen. Und wenn Rattle die 1945 uraufgeführte Partitur seines Landsmanns Benjamin Britten dann mit festem Griff anpackt, wenn er die düstere, muffige Atmosphäre der spießigen Dorfgemeinschaft mit einem kompromisslos klaren Orchesterklang kontrapunktiert, wenn von den Gefühlsaufwallungen der Protagonisten rein durch diesen Orchesterklang ein ...
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Parsifal» in einem offenen Orchestergraben: Das kann im Grunde genauso wenig funktionieren wie die «Meistersinger» unter dem Bayreuther Deckel. Mischklang und Verschleierungstaktik von Wagners letzter Partitur sind so detailliert auf die Spezifika im Festspielhaus abgestimmt, dass sie in anderen Opernhäusern automatisch verzerrt erscheinen – zur Kenntlichkeit...
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Der Zerfall des russisch-bolschewistischen Staatsgebildes, begleitet von bis heute nicht bewältigten Krisenphänomenen bis hin zu brutalen militärischen und terroristischen Aktionen, hat unseren Blick auch für künstlerische Reflexionen geschärft. Um bei der Oper zu bleiben: Als Herbert Wernicke in Salzburg für Mussorgskys «Boris Godunow» auf einem riesigen...
